Ein Jahr nach dem rechtsextremen und antisemitischen Terroranschlag in der ostdeutschen Stadt Halle ist dort mit zahlreichen Veranstaltungen und Gesten der Opfer gedacht worden. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier forderte bei der zentralen Gedenkveranstaltung ein Zusammenstehen der gesamten Gesellschaft gegen Antisemitismus, Rassismus und andere Formen der Ausgrenzung. Menschenfeindlichkeit sei ein Angriff gegen die offene Gesellschaft und die Demokratie. Menschenfeindlichkeit treffe nicht jeden, „aber sie betrifft uns alle“, betonte Steinmeier.

„Rechtsextremismus reicht tief in Gesellschaft“

Der Bundespräsident erinnerte an die Todesopfer, Verletzten und Traumatisierten des Anschlags vom 9. Oktober 2019. Aus rechtsextremistischer Gesinnung heraus hatte der Täter versucht, am höchsten jüdischen Feiertag Jom Kippur in die Synagoge in Halle einzudringen. Als ihm das nicht gelang, erschoss er eine 40 Jahre alte Passantin und in einem nahen Döner-Imbiss einen 20 Jahre alten Gast. Auf seiner Flucht verletzte der Attentäter zahlreiche weitere Menschen, ehe er von der Polizei gefasst wurde. Der 28-jährige Deutsche Stephan Balliet hat die Taten eingeräumt, der Prozess gegen ihn läuft vor dem Oberlandesgericht Naumburg. Er ist wegen zweifachen Mordes und 86-fachen versuchten Mordes angeklagt.

Kränze und Blumen vor dem Dönerladen, wo ein 20 Jahre junger Gast erschossen worden war

In Halle sei ein Alptraum wahr geworden, „ausgerechnet in Deutschland“, sagte Steinmeier. Er verwies auf die steigende Zahl judenfeindlicher Straftaten, nannte die Liste der Angriffe eine „Liste der Schande“. Es erfülle ihn mit Scham und Zorn, dass es nötig sei, jüdische Gotteshäuser zu schützen und dass es für jüdische Kinder Alltag sei, schwer bewachte Kindergärten und Schulen zu besuchen. „Rechtsextremismus reicht tief hinein in unsere Gesellschaft“, mahnte Steinmeier und forderte, wachsamer zu sein gegenüber möglichen Radikalisierungen im eigenen Umfeld: „Die These vom…