Es klingt ungeheuerlich, ein wenig wie eine Nachricht aus einem fernen scheiternden Staat. Überraschend ist es dennoch nicht: Etwas in dieser Art zeichnete sich in Michigan schon seit Monaten ab.

Im Bundesstaat an den Großen Seen sind sechs Männer angeklagt, weil sie geplant haben sollen, die demokratische Gouverneurin Gretchen Whitmer zu entführen. Sieben weiteren wird zur Last gelegt, die Anzettelung eines Bürgerkriegs angestrebt zu haben. Die Vorwürfe in den beiden Verfahren – das erste vor einem Bundesgericht, das zweite vor einem des Staats Michigan – lauten Terrorismus, Verschwörung und Waffendelikte. Den Angeklagten im ersten Prozess drohen lebenslange Freiheitsstrafen, im zweiten sind es bis zu 20 Jahre.

Der Plan: die Gouverneurin vor der US-Wahl entführen und wegen „Verrats“ anklagen

In einem am Donnerstag öffentlich gemachten Gerichtsdokument schildert ein mit dem Fall befasster FBI-Agent die Pläne der Männer in all ihren verstörenden Details. Mindestens seit dem Sommer hätten sie über eine Verschleppung Whitmers diskutiert. Ihr Ziel demnach: die Gouverneurin noch vor der Präsidentschaftswahl in ihre Gewalt bringen und sie in einem Selbstjustizprozess wegen „Verrats“ anklagen.

Es blieb wohl nicht bei Worten. Nach FBI-Angaben kundschafteten die Männer das Ferienhaus Whitmers zweimal aus. Laut Andrew Birge, dem Bundesstaatsanwalt im westlichen Michigan, erwarb einer der Angeklagten einen Elektroschocker, der bei der Entführung zum Einsatz kommen sollte. Demnach fassten die Männer zwischenzeitlich auch den Einsatz von Sprengstoff ins Auge. Dieser, so ein von den Angeklagten diskutiertes Szenario, hätte unter einer Brücke zur Explosion gebracht werden können, um die Polizei vom Ferienhaus der Gouverneurin wegzulocken.

„Die Scheiß-Gouverneurin schnappen“

Laut FBI kam es auch zu konspirativen Treffen. Bei einem solchen im Juni in Ohio habe einer der Festgenommenen sein Bestreben geschildert: Er müsse 200 Männer rekrutieren, um das Kapitol…