Die versuchte Erstürmung des Reichstagsgebäudes in Berlin oder auch das rigide Vorgehen von Ungarns Regierungschef Viktor Orbán gegen die Budapester Universität für Theater- und Filmkunst: ″Es gibt dringenden Handlungsbedarf“, erklärt Jeanine Meerapfel, Präsidentin der Akademie der Künste. Was eine solche Institution, eine Gemeinschaft von Künstlern, tun könne, um undemokratischen und nationalistischen Kräften in Europa entgegenzuwirken? Diese Frage habe sie, wie sie schreibt, seit ihrem Amtsantritt 2015 bewegt.

Im Rahmen der deutschen EU-Ratspräsidentschaft hat Meerapfel deshalb zu einer dreitägigen Konferenz nach Berlin eingeladen. Rund 60 Institutionen und Kulturschaffende nehmen teil, darunter der österreichische Autor Robert Menasse, die britische Schriftstellerin A.L. Kennedy, der deutsch-polnische Publizist Basil Kerski, die französische Kunsthistorikerin Bénédicte Savoy und der deutsche Zeitgeschichtswissenschaftler Philipp Ther. Zur Debatte steht nicht weniger als die Zukunft Europas, vor allem aber die Sicherung seiner Kunst und Kultur.

Jeanine Meerapfel, die Präsidentin der Akademie der Künste

Europa als schützenswertes Kulturprojekt

Während Europa auseinanderbricht und sich in neuen Nationalismen ergeht, beschwört Akademiepräsidentin Meerapfel die Kultur als notwendige Konstante. „Gemeinsam wollen wir gegen den Rechtspopulismus in Europa angehen, gegen das Auseinanderdriften der Völker“, sagt Meerapfel im Gespräch mit der Deutschen Welle. „Wir bewahren unsere Identität. Aber wir geben uns die Hand“, so Meerapfel. „Wir versuchen zu verstehen, was den anderen bewegt. Das ist wichtig. Sonst überwiegt das Trennende. Dann finden wir gar nicht mehr zueinander. Das haben wir schon einmal erlebt. Und das wollen wir nicht wieder erleben.“ Am Ende des Kongresses soll ein Manifest die Europäische Union als schützenswertes Kulturprojekt beschreiben.

Wie wichtig dieser Schutz ist, unterstreicht die französische…