Der letzte verbliebene Gründungsvorsitzende der AfD, Konrad Adam, hat seinen Austritt aus der Partei erklärt – und erhebt schwere Vorwürfe gegen den Ehrenvorsitzenden der AfD, Alexander Gauland. „Gauland hat sich aus Gründen, die wohl für immer sein Geheimnis bleiben werden, zum Schutzengel von dunklen Ehrenmännern wie Höcke oder Kalbitz aufgeschwungen“, schreibt Adam in einem „Cicero“-Gastbeitrag.

Gauland sei ein Mann ohne Standpunkt und ohne Überzeugung, schreibt Adam weiter: „Die Macht, ein Aphrodisiakum, das süchtig macht, hat es ihm angetan, er will sie auch im Alter nicht mehr missen.“ Er habe geholfen, die Partei von innen zu zerstören und „im Brackwasser der Reaktion“ versinken zu lassen.

Konrad Adam: Die AfD verabschiedet sich vom „Bürgerlichen“

Bereits Ende September hatte Adam (78) seinen AfD-Austritt angekündigt. Er sehe keine Zukunft mehr für die rechtspopulistische Partei als „bürgerlich-konservative“ Kraft, begründete er seine Entscheidung.

Der konservative Journalist gehört zu den Gründungsmitgliedern der AfD. 2013 übernahm er gemeinsam mit Frauke Petry und Bernd Lucke den Parteivorsitz. Lucke verließ die AfD bereits im Juli 2015, nachdem er auf einem von Tumulten geprägten Parteitag in Essen abgewählt worden war. Ihm folgten zahlreiche Mitglieder, die dem wirtschaftsliberalen Flügel zugerechnet wurden. Im Herbst 2017 verließ auch Petry die Partei.

Warum Adam so lange blieb, begründete er in der „Cicero“ mit seiner Fürsorgepflicht. Zur AfD habe er ein Verhältnis wie Eltern zu ihrem Nachwuchs, die auch dann noch verantwortlich seien, wenn dieser auf die falsche Bahn gerate. ​“Erst wenn alle Ermahnungen und Eingriffe nicht mehr fruchten und selbst Strafen ohne Wirkung bleiben, darf oder muss man loslassen. Deshalb so spät.“

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