Remarques Buch ist das Porträt einer Generation, die von der Schulbank weg euphorisch an die Front zog und am Ende in einer mörderischen Kriegsmaschinerie umkam. Der Erste Weltkrieg – Anfang des 20. Jahrhunderts wurde er von vielen Männern regelrecht herbeigesehnt.

Es war die Zeit der großen Umbrüche und Verunsicherungen. Der technische Fortschritt gab den Takt vor: Fabriken, Autos, wissenschaftliche Neuentdeckungen. Die patriarchale Gesellschaft bekam Risse, Frauen rebellierten gegen vorgegebene Rollenbilder, forderten lautstark mehr Rechte. 

Das Alte ging zu Ende, Neues kam im Eiltempo auf die Menschen zu und überforderte, vor allem die Männerwelt. Krieg, so erhofften sie sich, könnte die „reinigende Kraft“ sein, den Wandel aufzuhalten. Sie bejubelten den Kriegsausbruch im Sommer 1914 und glaubten fest daran, an Weihnachten wieder zuhause zu sein. Doch es kam anders. 

„Wir lernten, dass ein geputzter Knopf wichtiger ist als vier Bände Schopenhauer. Zuerst erstaunt, dann erbittert und schließlich gleichgültig erkannten wir, dass nicht der Geist ausschlaggebend zu sein schien, sondern […] der Drill.“

Alltag im Schützengraben

Das Gemetzel in den Gräben, die Nacht im Granatenhagel, die Langeweile zwischen den Sturmangriffen: All das erlebt Remarques Ich-Erzähler, ein junger Rekrut, hautnah mit. Aus dem feinsinnigen Schüler wird ein abgestumpftes Halbwesen.

„Ein Gefreiter (…) schleppt die zerschmetterten Knie hinter sich her; ein anderer geht zur Verbandstelle, und über seine festhaltenden Hände quellen die Därme. (…) Das Grauen lässt sich ertragen, solange man sich einfach duckt; aber es tötet, wenn man darüber nachdenkt.“

Notlüge für den Welterfolg

So drastisch Remarque auch das Kriegsgeschehen schilderte, er selbst musste nur kurz an der Front kämpfen. 1916 wurde er als Schüler zwangsweise eingezogen, kurz darauf verwundet und in ein Lazarett verlegt. Dort lauschte er den Fronterzählungen der Schwerverletzten, machte sich Notizen, aus…