Schon der Ort ist eine Provokation. Die Kathedrale Santa Maria del Fiore mit der Brunelleschi-Kuppel liegt nur wenige Schritte entfernt, ein paar Meter in die andere Richtung steht vor dem Palazzo Vecchio die berühmte David-Kopie von Michelangelo. Hier, im Zentrum von Florenz, im Herzen der Toskana, regieren seit Jahrzehnten italienische Sozialdemokraten, stolz auf das kulturelle Erbe ihrer Stadt.

Aber an diesem Freitagabend gehört die Piazza della Repubblica Lega-Chef Matteo Salvini und seinen rechten Freunden. Zahllose Fans schwenken italienische Flaggen über dem Platz, am Rand verteilen Rechtsextremisten der Identitären Bewegung in schwarzen T-Shirts ihre Propaganda, als Salvini um 18.51 Uhr auf die Bühne tritt, von der Schönheit und Kultur der Toskana schwärmt und „das Land von Michelangelo, Galileo und der Renaissance“ für sich gewinnen will. Ab Montag, so hofft er, wird seine Lega dieses Land regieren.

„Von den Linken vergessene Probleme lösen“

Dann steigt Susanna Ceccardi aufs Podium, der neue Shootingstar der Lega. Die 33-Jährige tritt als Spitzenkandidatin bei der Regionalwahl in der Toskana an, und sie verzichtet geschickt auf jene Hetze, mit der Salvini in der Vergangenheit das Land aufpeitschte. „Wir sind keine Barbaren“, sagt sie über die rechten Bürgermeister von Pisa, Siena und einigen anderen Städten, die neben ihr auf der Bühne stehen. „Sie haben nur von den Linken vergessene Probleme gelöst.“ Und ihr Gegner Eugenio Giani von den Sozialdemokraten, ein fast doppelt so alter Politikfunktionär? „Ich habe Sympathie für ihn“, sagt Ceccardi lächelnd, „niemals würde ich mir erlauben, ihn zu diffamieren.“

Wenn an diesem Sonntag und Montag gewählt wird, hat Ceccardi Chancen, die Mehrheit in der Toskana zu gewinnen. In Italien käme das einem politischen Erdbeben gleich, die Toskana ist eine der letzten linken Hochburgen Italiens – ihr Fall wäre so aufsehenerregend wie ein Machtverlust der CSU in Bayern.

Entsprechend nervös sind deshalb auch Regierung…