Alles war bereitet für den ersten Tour-de-France-Sieg von Primoz Roglic. Der Slowene war mit 57 Sekunden Vorsprung in die vorletzte Etappe dieser Rundfahrt gegangen, die wie für ihn designed schien: erst 30 Kilometer lang flach, dann ein immer steiler werdender Anstieg über knapp sechs Kilometer hinauf auf die Planche des Belles Filles in den Vogesen. Als starker Zeit- und auch Bergfahrer sollte ihm das Gelbe Trikot nicht mehr zu nehmen sein.

Doch dann kam alles anders: Von Anfang an machte der erst 21-jährige Gesamtzweite Tadej Pogacar Druck, kämpfte sich Sekunden um Sekunde an seinen zwei Minuten nach ihm gestarteten Landsmann heran. Bei Halbzeit der Strecke blieb Roglic noch eine halbe Minute Vorsprung, als beide am Fuß der Steigung ihre Zeitfahrmaschinen gegen leichtere, bequemere Straßenräder tauschten, hatte Pogacar den Rückstand schon fast egalisiert. Und dann brannte der 21-Jährige bergauf ein wahres Feuerwerk ab. „Ich habe immer über den Funk gut zugehört. Im Anstieg hat man mir aber nichts mehr gesagt, ich wusste nichts“, sagte Pogacar nach der Zieldurchfahrt und freute sich, dass sein Plan und der seines Rennstalls aufgegangen war. „Ich kannte den Anstieg sehr gut und bin dann einfach nur Vollgas gefahren.“

Pogacar: „Ein großer Traum“

Am Ende hatte der Profi vom Team UAE Emirates fast zwei Minuten auf Roglic herausgefahren, der am Berg angesichts der schwindenden Führung fast verkrampft wirkte: unrund sein sonst so eleganter Tritt, auf dem Rad wackelnd, viel öfter als sonst musste er aus dem Sattel gehen. Geschlagen fuhr Roglic als Tages-Fünfter über die Ziellinie, eine herbe Niederlage für ihn und sein Team Jumbo Visma. Nicht einmal der Etappensieg blieb der am besten besetzten Mannschaft dieser Tour de France. Denn Pogacar hatte auch den lange führenden Tom Dumoulin aus den Niederlanden noch abgefangen.

Die Enttäuschung ins Gesicht geschrieben – Primoz Roglic fährt geschlagen ins Ziel des Bergzeitfahrens

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