Ein Gespinst aus Federn, Netzen, Stangen und bunten Plastikelementen dreht sich um eine vogelkopfartig zugespitzte Achse, breitet sich wie auf Flügeln schwankend aus und hält doch das Gleichgewicht. Mit einem Griff lässt sich das gefiederte Gebilde aus der Nut am oberen Ende eines schmalen Stabs nehmen und davontragen.

Balance und Freiheit: zwei Begriffe, die die Schlüssel zur Kunst von Tong Kunniao sind. Der in Peking lebende Künstler ist erst 30 Jahre alt, hatte aber bereits Einzelausstellungen in bedeutenden Galerien und Museen weltweit und war bei den wichtigsten Kunstmessen vertreten. Internationale Sammler kaufen seine absurd-komischen Bewegungsskulpturen. Nach Shanghai, Peking, Los Angeles und Basel sind seine Arbeiten jetzt in der Galerie Hua International in Berlin zu sehen.

Die Skulpturen seiner Serie „Balance“ kann Tong Kunniao wie im kindlichen Spiel abnehmen und wegtragen

Bleib abseits, bleib frei

„Just stay in the cold“ – „Bleib in der Kälte, bleib abseits“ – der lange zuvor gewählte Ausstellungstitel könnte nicht besser zur Zeit der Pandemie passen, meint Galeristin Hua Xiaochan. Natürlich hatte der Künstler zur Ausstellungseröffnung nach Berlin kommen wollen, denn Tong Kunniao stellt seine Objekte nicht nur aus, er performt mit ihnen. Die aktuellen Reisebestimmungen haben es letztlich verhindert. So musste er ‚draußen‘ bleiben, „in der Kälte“, aus der Ferne kommunizieren.

Tong hat an der Chinesischen Zentralakademie der Schönen Künste (CAFA) studiert und gehört inzwischen zu den gefragtesten Künstlern seiner Generation. Seine Kunst umfasst Skulpturen, Malerei, Performance, Fotografie und Poesie. Fragt man ihn selbst, betont er, er sei kein Künstler, sondern ein Vogel. Als solcher inszeniert er sich tatsächlich manchmal in seinen Performances, bei denen er mit seinen beweglichen Werken verschmilzt. Leicht, frei, beweglich.

Die Produkte unserer Wegwerfgesellschaft

Für seine Skulpturen trägt er Produkte der Wegwerfgesellschaft zusammen,…