Die Achtung vor der Lebensleistung von Ruth Bader Ginsburg war groß, das zeigten nicht zuletzt die Reaktionen auf ihren Tod. Ex-Präsident Barack Obama nannte die Richterin eine „Kriegerin für die Gleichberechtigung der Geschlechter“, die trotz ihrer Krebserkrankung bis zum Ende „für unsere Demokratie und ihre Ideale“ gekämpft habe. Joe Biden, Obamas früherer Vize und aktueller Kandidat der Demokraten bei der Präsidentschaftswahl im November, würdigte sie als eine „Stimme für Freiheit“, die unnachgiebig für Bürgerrechte gekämpft habe. Bidens Gegner, Präsident Donald Trump, nannte Bader Ginsburg eine „Titanin des Rechts“.

Richterinnen und Richter am Supreme Court werden auf Lebenszeit ernannt. Die Neubesetzung einer der neun Stellen am Obersten Gerichtshof kann auf Jahrzehnte Konsequenzen für das politische und gesellschaftliche Leben im Land haben. Deshalb geht mit den Kurznachrufen auf Bader Ginsburg unweigerlich die Frage einher: Wie geht es nun weiter?

Ein Überblick.

Welchem Prozedere folgt die Besetzung eines Richterpostens?

Richterinnen und Richter am Obersten Gerichtshof werden laut US-Verfassung „auf Anraten und mit Zustimmung“ des Senats vom US-Präsidenten ernannt. Das bedeutet: Der Präsident nominiert einen Kandidaten; anschließend muss der Senat mit einfacher Mehrheit zustimmen, also mindestens 51 von 100 Stimmen. Aktuell sitzen 53 Republikaner, 45 Demokraten sowie zwei unabhängige Senatoren in der Kammer.

Auf die Nominierung durch den Präsidenten folgt ein zweistufiges Verfahren im Senat: Der vorgeschlagene Kandidat wird zunächst vom Justizausschuss befragt. Daran schließt sich die Debatte und Abstimmung im Plenum an. Zwei Mandatsträgern kommt dabei eine entscheidende Rolle zu: dem Vorsitzenden des Justizausschusses und insbesondere dem Mehrheitsführer in der Kammer, der den Termin für die finale Abstimmung ansetzt. Beide Posten haben derzeit Republikaner inne: Lindsey Graham ist Vorsitzender des Justizausschusses, Mitch McConnell…