Gleich zur Beginn der archäologischen Ausstellung erfährt der Besucher: Die Germanen, die gab es so nicht. Zumindest gab es kein eigenständiges Volk, das sich selbst so nannte und organisierte. Vielmehr handelte es sich hierbei um eine Vielzahl an Stämmen, die in Dorfgemeinschaften lebten – auf recht großem Territorium: Vom 1. Jahrhundert bis zum 4. Jahrhundert nach Christus besiedelten diese Germanen das Gebiet westlich des Rheins und nördlich der Donau.

„Germanen: Eine archäologische Bestandsaufnahme“ heißt die Schau und ist genau das: eine unaufgeregte Überblicks-Schau. „Das Besondere daran ist, dass es die erste Ausstellung ist, wo wirklich einmal die Germanen in diesem großen Raum zwischen Rhein und Weichsel gesamtheitlich dargestellt werden“, sagt Kurator Heino Neumayer vom Museum für Vor- und Frühgeschichte in Berlin. Zwar habe es schon einige Ausstellungen gegeben, doch waren dort meist nur Teilaspekte zu sehen gewesen, wie beispielsweise die sagenumwobene Schlacht im Teutoburger Wald.

Digitale Rekonstruktion: Dorfgemeinschaft mit kultivierten Ackerflächen

Das Land ist zwar im Einzelnen recht unterschiedlich, doch im Ganzen gesehen teils durch seine Urwälder schauererregend“, beschrieb der römische Historiker Tacitus das Land, das er „Germania“ nannte, rund 100 nach Christus. Archäologische Funde, Leihgaben aus Deutschland, Dänemark, Polen und Rumänien zeigen jedoch ein anderes Bild: Die germanischen Stämme lebten zwar in Dörfern ohne befestigte Straße und nicht wie viele Römer in Städten, doch von Urwald kann keine Rede sein: Die Ausgrabungen belegen, dass es in bestimmten Gebieten etwa alle 12 Kilometer eine Siedlung gegeben haben muss; manchmal waren diese auch in Sichtweite voneinander, umgeben von Äckern und Wiesen.

Römer und Germanen: mehr als Feinde

Die germanischen Stämme waren Selbstversorger. Ihre Lebensgrundlage war die Land- und vor allem Viehwirtschaft. Rinder hatten offenbar einen hohen Stellenwert: So fanden die Archäologen…