Polizisten gingen am Morgen auf den Straßen von Zelt zu Zelt, um die dort campierenden Menschen zu wecken und sie in das nach dem Brand eilig errichtete Notcamp auf der griechischen Insel Lesbos zu bringen. „Die Operation startete mit vielen Polizisten in weißen Schutzanzügen, die Dinge sind ruhig und die Migranten strömen langsam in das neue Lager“, sagte ein Augenzeuge der Nachrichtenagentur Reuters. Die Aktion, an der auch 70 Beamtinnen beteiligt seien, diene dem Schutz der öffentlichen Gesundheit, erklärte die Polizei. Die Regierung in Athen geht davon aus, dass die Überführung in das neue Lager innerhalb weniger Tage abgeschlossen werden kann.

„Bisher läuft alles friedlich ab“, sagte der Mainzer Arzt Gerhard Trabert, der mit einer Hilfsorganisation vor Ort ist, der Deutschen Presse-Agentur. Trabert schätzt, dass sich noch mehrere Tausend Menschen in und um das zerstörte Lager herum aufhalten. „Wir müssen die Menschen in das neue Lager holen; wenn sie auf der Straße ausharren, ist das eine Bombe in Sachen Hygiene“, betonte der Chef der griechischen Gesundheitsbehörde (EODY), Panagiotis Arkoumaneas, im griechischen Radiosender Skai. Im Einsatz seien insgesamt rund 170 Polizisten.

Bisher müssen viele Flüchtlinge aus dem Moria-Lager im Freien campieren

Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen berichtete, ihren Mitarbeitern sei in der Nacht der Zugang zu den Migranten verwehrt worden. „Ein Polizeieinsatz ist im Gange, um die Flüchtlinge ins neue Lager zu bringen. Das sollte aber nicht medizinische Hilfe verhindern“, kritisierte die Organisation auf Twitter.

Unhaltbare hygienische Zustände

In das neue Zeltlager Kara Tepe sind bisher rund 2000 Menschen eingezogen, nachdem beim Brand des heillos überfüllten Lagers Moria vergangene Woche rund 12.000 Migranten obdachlos geworden waren. Seither schlafen Tausende auf Lesbos am Straßenrand und auf Supermarktplätzen unter notdürftig errichteten Schutzdächern aus Zweigen oder in Campingzelten. Dabei müssen sie…