Sie erzähle ihre Geschichte, sagt Nisrin, aber ein Foto von sich und ihrer Familie wolle sie nicht veröffentlicht sehen. Es gebe doch schon so viele Bilder von dem Feuer, und von den Menschen auf den Straßen, den Schwangeren ohne Obdach.

Nisrin, 60 Jahre, kommt aus Syrien. Ihre Familie, das sind ihr Ehemann Ahmed und ihre drei Enkelinnen, Faten, Batul und Fatme, sechs und acht und neun Jahre. Seit einem knappen Jahr sind die fünf in Moria. Zuvor hatten Bomben im syrischen Krieg Nisrins und Ahmeds Sohn und seine Frau getötet und die drei Kinder zu Vollwaisen gemacht.

Als das Feuer in der vergangenen Woche im Camp ausbrach, schliefen Nisrin, Ahmed, Faten, Batul, Fatme alle zusammen in ihrem Zelt.

Wenn man Nisrin zuhört, dann merkt man, dass sie beim Sprechen nach einer Erklärung sucht für das, was ihrer Familie passiert. Etwas, das ihr hilft zu begreifen, damit sie die nächsten Schritte tun kann, gerade für die drei Mädchen.

„Als das Feuer kam, haben wir alles in unserem Zelt zurückgelassen, unsere Sachen, unsere Geldbeutel, die Erinnerungen an unser altes Leben. Ich glaube, alles ist nun Asche. Wir rannten und rannten, da rannten Tausende in dieselbe Richtung, aber mein Mann hat Herzprobleme, er kam nicht hinterher, immer wieder mussten wir stoppen. Unsere Mädchen waren voller Angst, sie weinten, sie sagten: „Wir müssen auf Großvater warten.“

Ich bin 60 Jahre alt, mein Mann Ahmad ist 65. In Syrien in der Stadt Deir ez-Zor hatten wir einmal eine große Landwirtschaft, Ahmad war Bauer. Dann kam der Krieg. Es fielen Bomben. Sie machten unsere Enkel zu Waisen, uns nahmen sie unseren Sohn: Er und seine Frau starben bei einem Bombardement.

Wenn du im Krieg bist, dann verstehst du, dass du mit dem Horror irgendwie fertig werden musst, der dich umgibt. Krieg, das ist so was wie eine Erklärung, ein Grund für die schrecklichen Dinge. Ich glaube, nur so kann man damit fertig werden.

Seit zehn Monaten sind wir nun aber in Camp Moria, in Europa. Hier ist kein Krieg. Für…