Der Bundesrechnungshof sieht dringend weiteren Aufklärungsbedarf  in der Affäre um die Vergabe von Beraterverträgen an ehemalige Bahnmanager. Nach Ansicht der Bonner Kontrolleure gebe es „für mindestens neun weitere Verträge“ Zweifel, ob überhaupt angemessene Leistungen erbracht und die Honorare „marktüblich“ gewesen sind.

Deutliche Kritik übt der Rechnungshof (BRH) auch am internen Kontrollsystem der Deutschen Bahn. Dies sei zwar seit Bekanntwerden der Affäre im vergangenen Jahr verbessert worden. „Die Prozess-Mängel sind damit jedoch nicht erkennbar bereinigt worden“, schreiben die Kontrolleure in einem als vertraulich eingestuften Bericht, der dem SPIEGEL vorliegt.

Die hohen Beratungssummen seien in zehn Prozent der untersuchten Fälle ohne schriftliche Verträge und in 20 Prozent der Fälle „auch ohne erkennbare Freigaben“ ausgezahlt worden.

Bahn weist Kritik von sich

Damit zielen die Rechnungsprüfer auch auf den jetzigen Vorstandschef Richard Lutz, der in dem betreffenden Zeitraum Finanzvorstand war. Zudem seien die von der Bundesregierung in den Aufsichtsrat entsandten Politiker seien ihrer Verpflichtung, die Vorwürfe zu untersuchen, nicht nachgekommen. „Die Aufklärungsbemühungen umfassen weiterhin nicht alle relevanten Gesellschaften und Gruppen“, kritisieren die Rechnungshof-Beamten.

Ihr Bericht wurde in dieser Woche im Haushaltsausschuss des Bundestags diskutiert. Auf Nachfrage der Opposition lehnten die Politiker der Großen Koalition dort die Forderung des Rechnungshofs ab, einen Sonderprüfer einzusetzen.

Die Deutsche Bahn weist die Kritik des Rechnungshofs auf Anfrage des SPIEGEL scharf zurück. „Aufsichtsrat und Vorstand der DB haben das Thema Beraterverträge umfassend aufgeklärt und daraus weitreichende und einschneidende Konsequenzen gezogen“, sagte eine Sprecherin.

Man habe ein restriktives Regelwerk etabliert und Managementschulungen vorgenommen, um solche Vorfälle in der Zukunft auszuschließen. „Diese sind in der deutschen Wirtschaft…