Was die Corona-Pandemie für Kinder bedeutet, zeigt am eindrucksvollsten eine Weltkarte. Sie findet sich auf der Webseite der UNESCO. In einem fahlen Violett sind darauf alle Länder markiert, in denen wegen des Virus die Schulen geschlossen blieben – der Besucher kann den zeitlichen Verlauf abrufen. Buchstäblich die halbe Welt erscheint für mehrere Monate in dieser Farbe.

Allein im ostafrikanischen Kenia sind 18 Millionen Kinder und Jugendliche betroffen, 150.000 von ihnen leben in Flüchtlingslagern. Der UN-Bildungsorganisation zufolge bieten gerade einmal acht von 42 untersuchten Staaten südlich der Sahara wieder Präsenzunterricht an. In sechs weiteren Ländern werden einzelne Klassen unterrichtet.

Schüler ohne Strom

Wie in westlichen Ländern werden auch in etlichen ärmeren Staaten Lerneinheiten für Fernunterricht entwickelt – verbreitet per Internet, aber auch über Radio- und Fernsehsender. Doch viele Menschen können sich dort nur einen sehr begrenzten Online-Tarif leisten; von Notebooks zu schweigen. Zahlreiche Schüler sind überhaupt nicht ans Elektrizitätsnetz angeschlossen. In Kenia haben nur drei Viertel aller Haushalte Strom. Auch der Gegensatz zwischen Stadt und Land wird dadurch weiter vertieft: Kinder, die in traditionellen Gemeinschaften leben, müssen sich später mit Kindern aus Metropolen messen, die Lehrmaterialien, Strom und Licht haben.

Unterricht im Freien in Solapur im westindischen Bundesstaat Maharashtra (Archivbild)

Das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen geht davon aus, dass die Pandemie 150 Millionen Kinder zusätzlich in die Armut gestürzt hat. Insgesamt seien somit 1,2 Milliarden Mädchen und Jungen von prekären Lebensverhältnissen betroffen. Und es dürften in den kommenden Monaten noch viele hinzukommen, sagt UNICEF-Exekutivdirektorin Henrietta Fore. „Am besorgniserregendsten ist, dass wir näher am Anfang der Krise sind als an deren Ende.“

„Größter globaler Bildungsnotstand“

Viele Familien, die gerade im Begriff waren, ein…