Die Bundeswehr will mit einer neuen Studie die jahrzehntelange systematische Benachteiligung von homosexuellen Soldaten aufarbeiten. Dazu hat das Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr den Umgang der Truppe mit Homosexualität von 1955 bis zur Jahrtausendwende wissenschaftlich untersucht – nach eigenen Angaben erstmals „auf breiter Quellenbasis“. Auch interne Papiere des Ministeriums und Entscheidungen von Truppendienstgerichten wurden ausgewertet.

Die Studie mit dem Titel „Zwischen Tabu und Toleranz“ befasst sich vor allem mit der langjährigen Praxis einer juristischen Verfolgung Homosexueller mit Entfernung aus dem Dienstverhältnis. „Gleichgeschlechtliche Orientierung galt in der Bundeswehr bis zur Jahrtausendwende als Sicherheitsrisiko und machte eine Karriere als Offizier oder Unteroffizier unmöglich“, schreiben die Wissenschaftler.

Verteidigungsministern Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU), die die Studie am Donnerstag offiziell vorstellen will, teilte vorab mit: „Die Praxis der Diskriminierung Homosexueller in der Bundeswehr, die für die Politik der damaligen Zeit stand, bedauere ich sehr. Bei denen, die darunter zu leiden hatten, entschuldige ich mich.“ Sie wolle die Erkenntnisse der Studie nutzen, „um die Vergangenheit weiter aufzuarbeiten und das Gesetzesvorhaben für die Rehabilitierung der Betroffenen voranzubringen“.

„All das war urplötzlich nichts mehr wert, denn der Hauptmann war schwul“

Am Beispiel eines Hauptmanns, der 1981 als Kompaniechef abgelöst wurde, schildern die Forscher, wie die Diskriminierung ablief. Beste Beurteilungen hatten glänzende Berufsaussichten erwarten lassen. „All das war urplötzlich nichts mehr wert, denn der Hauptmann war schwul“, heißt es. Eine Verkettung von Zufällen hatte dies dem Dienstherrn bekannt gemacht. Sein Lebenspartner war zum Wehrdienst eingezogen worden und sollte im Offiziersheim der Kaserne eingesetzt werden – unter Führung des Hauptmanns.

Die Beziehung der beiden Männer war jedoch…