Das Inferno an der US-Westküste schafft, was Greta Thunberg nicht konnte: Die damals 16-Jährige wollte die Welt mit Angst und Schrecken überziehen, knapp 20 Monate ist das jetzt her: Die Konzernbosse auf dem Weltwirtschaftsgipfel, die Regierenden, wir alle sollten wegen des Klimawandels „in Panik geraten“, forderte sie in Davos. Doch die Furcht, die sich Thunberg wünschte, lassen sich die Verantwortlichen auch ein Jahr später nicht anmerken. Nicht einmal Sorge um die Zukunft kann man aus dem Umgang der großen Mehrheit der Staatschefs mit der Krise herauslesen – billigende Inkaufnahme des Weltuntergangs.

Die Folgenlosigkeit emotionaler wie sachlicher Appelle zur Lösung der Menschheitsherausforderung beschäftigt Aktivisten und Wissenschaftler seit Jahrzehnten. Mindestens seit den Achtzigerjahren versuchen sie Aufmerksamkeit auf etwas zu lenken, das man nicht sehen, fühlen oder schmecken kann. Das nicht unmittelbar krank macht, weder gut noch schlecht ist. Als Klima im engeren Sinne definiert der Weltklimarat IPCC „das durchschnittliche Wetter, oder genauer die statistische Beschreibung in Form von Durchschnitt und Variabilität relevanter Größen über eine Zeitspanne“. Doch vor der langfristigen Veränderung statistischer Mittelwerte hat niemand Angst.

Die Brände von Kalifornien, Oregon, Washington haben das Potenzial, das größte Hemmnis bei der Bekämpfung der Klimakrise aus dem Weg zu räumen: seine Unsichtbarkeit. Die Erderwärmung zeigt ihr Gesicht – es ist eine Fratze. Sie lugte schon hervor bei der europäischen Hitzewelle im vergangenen Jahr und war zu sehen bei den verheerenden Feuern in Australien.

Der mächtigste Mann der Welt und die größte Krise der Menschheit treffen aufeinander

Warum entfachen die Bilder von der US-Westküste eine größere Wirkung als die vielen klimabezogenen Extremwettereignisse etwa in Afrika? Vielleicht weil viel zu wenig darüber berichtet wird. Vielleicht aber auch, weil eine Katastrophe dieses Ausmaßes in einer westlichen,…