1. Europa sieht grün, Amerika orange

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Foto: Francisco Seco / AP

Eine Rede zur Lage Europas (nicht verschwägert oder verwandt mit diesem Newsletter) hat Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen heute gehalten und versucht, die EU auf mehr Klimaschutz und Digitalisierung einzuschwören. Ihre Vorgabe: Die Emissionen bis 2030 um mehr als die Hälfte zurückzufahren (55 statt wie bislang geplant 40 Prozent): „Wer von der Leyen so zuhört, muss den Eindruck bekommen, dass Corona-Chaos, Wirtschaftskrise, Verbrennungsmotoren und Funklöcher nur noch ein kurzer lästiger Zwischenschritt sind in die schöne, neue und vor allem grüne europäische Welt“, kommentiert mein Kollege Peter Müller. Die Frage ist nur: Wie kann das gelingen? 

Die deutsche Industrie reagierte prompt – mit Überlastungsbekundungen und Risikowarnungen. Alles irgendwie schwierig, bloß keine zu strengen Regeln. So in etwa der Tenor. Vielleicht lässt sich die Stimmung der Branchenvertreter aufhellen durch die Lektüre eines Textes meines Kollegen Stefan Schultz: Er hat einmal durchdekliniert, wie eine Ökorepublik Deutschland funktionieren könnte – mit Wasserstoffpipelines, Textilzement und grünem Stahl.

„Von der Leyen spricht lieber über das große Ganze“, berichtet Peter. Man mag ihr vorwerfen, zu wenig Konkretes vorzuschlagen – aber ich bin froh, dass in Europa überwiegend Politikerinnen und Politiker in Ämtern sitzen, die den Klimawandel zumindest als Problem anerkennen. Was sich von den USA nicht sagen lässt.

Dort zeigt der Klimawandel gerade an der US-Westküste sein Gesicht – oder besser seine Fratze. „Die Brände von Kalifornien, Oregon, Washington haben das Potenzial, das größte Hemmnis bei der Bekämpfung der Klimakrise aus dem Weg zu räumen: seine Unsichtbarkeit“, analysiert mein Kollege Kurt Stukenberg. Um das Ausmaß der Katastrophe darzustellen, hat mein Kollege Maximilian Popp aus dem Auslandsressort angeregt, auf SPIEGEL.de einen Schwerpunkt zum…