Der Bundeswirtschaftsminister klang zuletzt wie Elon Musk, als er im Interview mit dem SPIEGEL über strombetriebene Flugzeuge, synthetische Kraftstoffe und CO2-neutrale Stahlproduktion sinnierte. Die deutsche Wirtschaft werde durch den Kampf gegen die Erderhitzung gerade komplett umgekrempelt, sagte Peter Altmaier. „Ich setze auf die Genialität unserer Ingenieure.“

Die visionären Ausführungen des CDU-Politikers dürften teils frühes Wahlkampfgetöse sein. Gleichzeitig haben sie einen konkreten Hintergrund. An diesem Mittwoch hat EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen (CDU) ein ehrgeiziges Klimaziel für Europa verkündet: Bis 2030 soll der CO2-Ausstoß der 27 EU-Staaten im Vergleich zu 1990 um 55 Prozent sinken. Das entspräche einer Reduktion von mehr als 2,6 Milliarden Tonnen pro Jahr – oder 2,6 Milliarden Flügen von Frankfurt am Main nach Lissabon und zurück. Angeschoben werden soll das mit Hunderten Milliarden Euro aus dem Corona-Wiederaufbaufonds.

Die CO2-Ersparnis dürfte letztlich etwas geringer ausfallen, als auf dem Papier steht. Denn die EU-Kommission rechnet in ihr 55-Prozent-Ziel erstmals den CO2-bindenden Effekt mancher Wälder und Moore mit ein, die in der Klimabilanz bisher nicht berücksichtigt wurden. Abhängig vom genauen Rechenweg könnte das EU-Klimaziel effektiv um zwei bis drei Prozentpunkte geschmälert werden, kritisiert die Umweltschutzorganisation CAN Europe.