Alleine durch den Brand in Moria hatten von heute auf morgen 12.000 Flüchtlinge kein Dach mehr über dem Kopf. Und Tausende mehr sind auf den griechischen Inseln zwar in Camps untergebracht, aber teilweise unter so katastrophalen Bedingungen, dass es Griechenland und der ganzen Europäischen Union zur Schande gereicht.

408 Familien mit Kindern, 1553 als schutzbedürftig anerkannte Menschen, will die Bundesregierung nun von den griechischen Inseln aufnehmen, darauf haben sich Union und SPD geeinigt. Dazu kommen 150 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge, deren Aufnahme schon vergangene Woche beschlossen worden war.

Könnte Deutschland nicht viel mehr dieser Menschen in Not aufnehmen, fragen sich nun viele? Natürlich könnten wir das. Deutschland ist eines der wohlhabendsten Länder der Erde, zudem stehen viele der Einrichtungen leer, die nach dem Sommer 2015 entstanden, um damals Hundertausende von Flüchtlingen aufzunehmen.

Aber ist die geplante Aufnahme von insgesamt rund 1700 Flüchtlingen von den griechischen Inseln deshalb wirklich ungenügend und inakzeptabel, so wie es Linke und Grüne den Regierungsparteien vorwerfen?

Nein. Jedenfalls nicht, wenn man den Beschluss der Bundesregierung realpolitisch betrachtet, die gesellschaftliche Lage im Land mit in Betracht zieht und den Blick in den Rest der EU weitet. Dann ist es sogar eine sehr respektable Übereinkunft, die Union und SPD in kurzer Zeit gefunden haben.

Nach den Erfahrungen der vergangenen Jahre, insbesondere nach dem sogenannten Flüchtlingssommer von 2015, setzt die Bundesregierung auf eine gemeinsame Asyl- und Flüchtlingspolitik der Europäischen Union. Was Deutschland seinerzeit leistete – alleine 2015 kamen etwa eine Million schutzsuchende Menschen hierher – soll eine Ausnahme bleiben.

Insbesondere für die Unionsparteien galt deshalb bis zuletzt das Argument: Deutsche Alleingänge wird es bei der Aufnahme von Flüchtlingen nicht mehr geben, alleine um den Druck auf andere Mitgliedsstaaten…