Trotz aller Anstrengung konnte er die letzten Kilometer regelrecht genießen. Alleine auf der Straße, ausgestattet mit einem komfortablen Vorsprung von mehr als einer Minute auf den ersten Verfolger arbeitete sich Lennard Kämna den letzten Anstieg hinauf dem Ziel der 16. Etappe entgegen. Der 24-Jährige war von Anfang an in Fluchtgruppen dabei gewesen, hatte dann 20 Kilometer vor dem Ziel an der letzten Bergwertung des Tages clever attackiert und seine letzten Begleiter, den Giro d’Italia-Sieger Richard Carapaz aus Ecuador und den Schweizer Sebastien Reichenbach, abgeschüttelt.

Im Ziel freute sich der Profi des deutschen Teams BORA-hansgrohe über den größten Erfolg seiner Karriere und den ersten Etappensieg eines deutschen Fahrers bei der diesjährigen Tour. Auf der 13. Etappe vor einigen Tagen hatte Kämna ebenfalls aussichtsreich im Rennen gelegen, musste sich aber geschlagen geben.

Kämna geht „all-in“  

Über 164 Kilometer hatte Kämnas Erfolgsetappe von La Tour-du-Pin nach Villard-de-Lans geführt. Dabei waren etliche Höhenmeter zu absolvieren gewesen: insgesamt fünf Bergwertungen, davon eine der vierten Kategorie direkt am Anfang, eine der ersten Kategorie und ein Schlussanstieg der dritten Kategorie.

„Ich freue mich riesig. Das ganze Team hat die ganze Woche und auch die Woche davor hart gearbeitet. Wir haben so viele Rückschläge erlitten. Daher bedeutet es mit sehr viel“, freute sich der Sieger. „Mir war von Anfang an klar, dass ich alleine ankommen muss. Als ich die Chance gesehen habe, oben auf der Kuppe, bin ich einfach all-in gegangen.“

Richard Carapaz belegte am Ende mit 1:27 Minuten Rückstand auf Kämna Rang zwei, Sebastien Reichenbach wurde mit 1:57 Minuten Rückstand Dritter. Mit Simon Geschke aus dem Team Sunweb als Fünfter war ein weiterer Deutscher weit vorne platziert.

Die Favoriten um das slowenische Spitzenduo Primoz Roglic und Tadej Pogacar hielten sich weitgehend zurück und erreichten das Ziel mit rund 17 Minuten Rückstand….