Selten hat ein politischer Vorschlag solche Empörung erzeugt wie der von den Grünen geplante „Veggie Day“. Sieben Jahre her ist ein entsprechender Passus aus dem Wahlprogramm der Partei, noch heute gilt er vielen als Menetekel der „Entmündigung“.

Die Folgeschäden der Fleischproduktion, die der Vorschlag verdeutlichen helfen sollte, sind seitdem nicht weniger geworden, vor allem nicht in Brasilien, wo ein Gutteil des eiweißhaltigen Soja-Futters für deutsche Schweine, Rinder und Hühner angebaut wird. 5,8 Millionen Tonnen Sojaprodukte führte Deutschland im Jahr 2017 ein, eine Fläche größer als die Hessens ist für den Anbau nötig. Ein Großteil davon stammte aus Brasilien.

Nun zeigt eine Feldrecherche der norwegischen Rainforest Foundation und der Deutschen Umwelthilfe, wie die Rohstoffnachfrage aus Europa den Kahlschlag in Brasilien forciert.

Während das dortige Raumfahrtinstitut INPE kürzlich mitteilte, dass vergangenes Jahr so viel Wald verschwunden sei wie seit 2008 nicht mehr und zudem für Juli mehr Feuer im Amazonas-Gebiet und in der Cerrado-Steppe meldete als im Rekordbrandjahr 2019, kaufen die EU-Länder unbeirrt weiter ein. Im ersten Halbjahr 2020 stieg der Sojabohnenexport in die EU laut Zahlen des brasilianischen Ölsaatenverbands auf 7,6 Millionen Tonnen. Das waren 75 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Nur China führt noch mehr ein.

Zwar gingen die hiesigen Sojaimporte zwischenzeitlich zurück, dennoch sind die Deutschen noch immer Europas größter Abnehmer für die Wunderbohne, die Tiere auf schnelles Wachstum trimmt. Ohne diesen Treibstoff der Massentierhaltung wäre die Turbomast, in der zum Beispiel Küken in 33 Tagen zur Schlachtreife gefüttert werden, nicht möglich.

„Zero-Deforestation“-Zusicherungen

Die Untersuchung der beiden NGOs dokumentiert illegale Feuer und die Einschüchterung von Kleinbauern in der Amazonas- und Cerrado-Region, die als Hotspots des Kahlschlags gelten. Mit den Feuern seien die anliegenden Dorfbewohner „völlig allein…