Es dürfe keine Blaupause etabliert werden, die zu neuen Flüchtlingsströmen führe, sagte Brinkhaus im SPIEGEL-Spitzengespräch mit Moderator Markus Feldenkirchen. Das Signal dürfe nicht sein, „wenn jetzt ein Flüchtlingslager brennt, dann kommt ihr alle nach Europa“. Seehofer hatte zuvor schon mitgeteilt, Deutschland werde 100 bis 150 von insgesamt 400 unbegleiteten Minderjährigen aufnehmen, die aus Griechenland in andere europäische Länder verteilt werden sollen.

Der Forderung der Kanzlerin nach „substanziell mehr Hilfe“ begegnete Brinkhaus zurückhaltend. „Mir gefällt nicht, wie die Diskussion geführt wird“, sagte er. „Deutschland ist das Land, dass in Europa seit Beginn der Flüchtlingskrise die meisten Migranten aufgenommen hat.“ Er lehne es ab, „dass immer wieder vorgehalten wird, dass wir nicht humanitär sind“. „Es gibt kaum ein Land, das humanitärer ist als wir“, so der CDU-Politiker – nach wie vor.

Brinkhaus lobte die Anteilnahme der Deutschen an der Krise um das Lager Moria. „Das zeichnet uns aus“, sagte der CDU-Politiker. „Dass das die Menschen in Deutschland humanitär mitnimmt, ist erst mal schön.“ In anderen europäischen Ländern schiene das Thema kaum eine Rolle zu spielen.

Auf seine Rolle als Fraktionsvorsitzender und seinen Glauben als Katholik angesprochen, sagte Brinkhaus, er sei in der Frage zerrissen. „Zum einen ist es so, dass ich helfen will“. Zum anderen sei die Aufnahme „politisch schwierig“. Das Thema „zerreißt mich schon seit fünf Jahren“, sagte Brinkhaus mit Blick auf die Flüchtlingskrise 2015. Der „Impuls, Menschen zu helfen und Menschen aufzunehmen“ leite ihn. Andererseits sei er aber als Politiker dafür verantwortlich, dass das Land nicht überfordert werde.

Dafür müsse stärker berücksichtigt werden, dass die Beschlüsse der Bundespolitik in die Kommunen getragen werden müssen. Gerade Wahlkreise mit hohem Anteil von Menschen mit Migrationshintergrund ächzten unter den Erfordernissen, mit Wohnungen und Bildungsangeboten…