Die Sportschau am Sonntag zeigt das Erstrundenspiel im DFB-Pokal zwischen Drittligist Hansa Rostock und Bundesliga-Aufsteiger VfB Stuttgart. Die Partie ist spannend, von einem doppelten Klassenunterschied ist wenig zu erkennen. Vielleicht ist das auch ein Verdienst der Rostocker Fans. 7.500 Zuschauer sind live im Stadion dabei, machen Lärm fast wie sonst bei vollem Haus. Möglich ist das, weil das Bundesland Mecklenburg-Vorpommern wegen der niedrigen Infektionszahlen seine Corona-Schutzmaßnahmen zurückgefahren hat.

Montagabend in Dresden: Drittligist Dynamo wirft den favorisierten Zweitligisten Hamburger SV mit einem 4:1 aus dem Wettbewerb. Anschließend stellt sich HSV-Abwehrmann Toni Leistner den Reporterfragen, wird dabei offenbar aus der Dresdener Kurve heraus beleidigt. Leistner verliert die Kontrolle über sich, klettert auf die Tribüne und ringt einen Fan zu Boden. Sicherheitskräfte können ihn zurückschicken. Eine kopflose Aktion Leistners, durch die aber in den Fokus rückte, wie eng die Tribünen auch im Dresdner Stadion teilweise besetzt waren. 

Kontrollverlust im Siegestaumel

DW-Redakteur Tobias Oelmaier: Zeit ist noch nicht reif

Wie eindringlich hatten Fanvertreter in den vergangenen Monaten Vertrauen eingefordert, zum Beispiel, als die Deutsche Fußballliga (DFL) ihr Konzept zu einer Rückkehr von Zuschauern in die Stadien vorstellte. Alkoholverbot, keine Auswärtsfans, geringe Stadionauslastung keine Stehplatzkarten – all das hielten die Interessenvertreter der Fans für eine Bevormundung, ja Vorverurteilung.

Aber die Bilder aus Rostock und Dresden machen deutlich: Selbst im Bewusstsein, unter besonderer Beobachtung zu stehen, werden die einfachsten Regeln nicht eingehalten. Viele der Tribünengäste trugen keinen Mund-Nasenschutz, einige verwendeten ihn falsch und an das Abstandsgebot hielt sich auch kaum jemand. Es wurde gebrüllt, gesungen, sich umarmt.

All das ist auch verständlich. Denn Fußball ist nun mal emotional. Der Grund, ins Stadion zu…