Von versteinerten Gesichtern älterer Paare bis hin zu Punks mit stacheligen Igel-Frisuren hielten die Schwarz-Weiß-Fotos des deutschen Fotografen Harald Hauswald das alltägliche Leben in Ostdeutschland fest – vermutlich in größerem Umfang als die Arbeiten jedes anderen Fotografen. 

Mehr als 250 seiner zwischen den späten 70er und Mitte der 1990er Jahre geschossenen Fotos werden jetzt in der Ausstellung „Harald Hauswald: Voll das Leben!“ im Amerika Haus in Berlin gezeigt.

Eine 1300 Seiten starke Stasi-Akte  

Nach seinem Umzug von Sachsen nach Ost-Berlin im Jahr 1977 hielt Hauswald alles und jeden mit seinem Objektiv fest, auch einsame Straßenszenen in der ostdeutschen Hauptstadt. Er verewigte damit ein Land, das gar nicht so recht zum Image des blühenden sozialistischen Staats passen wollte, wie es von der Führungsriege proklamierte wurde.

Harald Hauswald fotografiert noch immer in Berlin

Als Musiker hatte Hauswald Zugang zu vielen Menschen, die in der Protestkultur-Bewegung gegen das Regime in Ostdeutschland rebellierten. Doch dieser Zugang hatte seinen Preis: Hauswald wurde zum meistüberwachten Fotografen der Deutschen Demokratischen Republik (DDR). Der Staatssicherheitsdienst der DDR (kurz: Stasi) verfolgte jede seiner Bewegungen; selbst, wenn er eine Zigarette rauchte, bekam die Stasi das mit. 

Einer der Kuratoren der Hauswald-Retrospektive, Felix Hoffmann vom Ausstellungshaus für Fotografie C/O Berlin, hat Wochen damit verbracht, Hauswalds Akte zu lesen. Das einst als höchst geheim eingestufte Dokumente ist  heute, ebenso wie zahlreiche weiteren Akten, der Öffentlichkeit im Berliner Stasimuseum  zugänglich. Hauswalds Akte umfasst 1300 Seiten und offenbart unzählige Details. „In diesen Akten des Stasi-Archivs kann man wirklich nachlesen, wann er einen Kaffee trank und in welche Person er sich verliebte“, so Hoffmann im Gespräch mit der DW. „Ich bin noch immer verwundert darüber, dass er nicht verrückt…