Bis zu diesem Dienstag musste man in Suhl C.G. Haenel nicht unbedingt kennen. Es hat ja nur eine Handvoll Mitarbeiter, das kleine Unternehmen aus der Schützenstraße 26. Aber nun hat C.G. Haenel einen Auftrag an Land gezogen, der weitreichende Folgen haben könnte: für Suhl, für das Land Thüringen und für die deutsche Rüstungspolitik. Haenel hat überraschend die Ausschreibung für das neue Sturmgewehr der Bundeswehr gewonnen.                                                                    

Es ist eine Sensation. Die Firma hat mit ihrem vollautomatischen Sturmgewehr MK 556 die viel größere Rüstungsschmiede Heckler & Koch ausgestochen, den Dauerlieferanten der Bundeswehr seit 1959. Es ist in etwa so wie ein Pokalsieg des TSV Vestenbergsgreuth gegen Bayern München. Die Branche ist verblüfft. Denn C.G. Haenel selbst erscheint viel zu klein, um so viele Sturmgewehre in Serie zu fertigen. Umso mächtiger ist dagegen der Konzern, der hinter dem Unternehmen steht: das arabische Staatskonglomerat Edge.

„Eine gute Entscheidung“

Im Thüringer Landesinnenministerium herrscht Verwunderung. Ausgerechnet im vom linken Ministerpräsidenten Bodo Ramelow regierten Bundesland, dessen Partei am liebsten sämtliche Rüstungsexporte verbieten würde, soll jetzt eine Waffenschmiede entstehen, die Heckler & Koch Konkurrenz macht? Noch dazu eine, die von Investoren aus Abu Dhabi kontrolliert wird?

Danach sieht es aus.

„Es ist eine gute Entscheidung für die Bundeswehr und für Thüringen, die hier getroffen wurde“, sagte der CDU-Landtagsabgeordnete und Major der Reserve Christian Herrgott dem SPIEGEL – und verwies darauf, das Unternehmen werde nun wohl expandieren.

Muss es auch. Und zwar gewaltig.

Es ist lange her, dass C.G. Haenel eine große Nummer war. 1840 gegründet, produzierte das Unternehmen im Zweiten Weltkrieg das erste Sturmgewehr für die Reichswehr: das StG 44. Unter der sowjetischen Besatzung ging Haenel dann…