Eigentlich beschäftigt sich das Statistische Bundesamt in Wiesbaden ja mit Zahlen. Als die Statistiker jetzt eine Bestandsaufnahme zur Lage der deutschen Wirtschaft in der Coronakrise machten, hatten sie jedoch auch viel mit einem Buchstaben zu tun. „Wir haben tatsächlich das gesehen, was wir alle erwartet haben“, sagt Albert Braakmann, Leiter der Abteilung für Volkswirtschaftliche Gesamtrechnungen und Preise. „Nämlich V’s in unterschiedlichen Formaten.“

Das V steht für einen bestimmten Verlauf von Konjunkturindikatoren: Auf einen steilen Absturz folgt ein ähnlich schneller Wiederanstieg. Zu Beginn der Pandemie war das V noch ein Hoffnungswert – diskutiert wurden auch ein U mit langsamerer Erholung oder gar ein L mit langer Stagnation nach dem Absturz.

Insofern sind es grundsätzlich positive Daten, die das Bundesamt nun zusammengetragen hat. Ob in der Autoindustrie, im Einzelhandel oder im Gastgewerbe: In vielen Wirtschaftszweigen geht es wieder aufwärts. Allzu euphorisch würden die Wiesbadener dies wohl schon deshalb nicht kommentieren, weil Statistiker zur Nüchternheit neigen. Hinzu kommt, dass die Wirtschaftslage trotz steigender Indikatoren an vielen Stellen immer noch dramatisch ist – trotz V tut Corona weh.

Das liegt zunächst einmal daran, dass der Einbruch historische Ausmaße hatte. Zwischen erstem und zweitem Quartal sank die Wirtschaftsleistung um 9,7 Prozent. Brackmann zufolge war dieser Crash „deutlich stärker als während der Finanzkrise“ und „mit Abstand“ das stärkste Quartals-Minus seit Beginn der entsprechenden Erhebungen im Jahr 1970. Mit der Autobranche traf es dabei eine deutsche Schlüsselbranche besonders dramatisch. Ihr V ist weitaus tiefer als im Maschinenbau oder der Chemiebranche, der Produktionsindex liegt noch 15,7 % unter Vorkrisenniveau.

Außerdem sind viele V’s asymmetrisch: Es geht zwar wieder bergauf, aber längst nicht so schnell wie es zuvor abwärts ging. Besonders deutlich wird das bei der Luftfahrtbranche, die massiv von…