Das Verteidigungsministerium will nach eigenen Angaben das neue Sturmgewehr der Bundeswehr von dem Thüringer Hersteller C. G. Haenel beziehen. Unterlegenen Bietern stehe der Rechtsweg offen. Der langjährige Lieferant Heckler & Koch dürfte damit bei der Bestellung von 120.000 neuen Waffen nicht zum Zuge kommen.

„Besser auf die Anforderungen zugeschnitten“

Haenel liefert der Bundeswehr bereits ein Scharfschützengewehr. Das Thüringer Unternehmen, das 2008 den Betrieb als Neugründung wiederaufnahm, gehört zur Merkel-Gruppe, die Teil der Tawazun-Holding in den Vereinigten Arabischen Emiraten ist. Die Deutsche Presse-Agentur zitiert aus Militärkreisen, Haenel habe in dem 2017 eingeleiteten Bieterverfahren eine Waffe vorgelegt, die besser auf die Anforderungen des Militärs zugeschnitten sei und auch wirtschaftliche Vorteile bringe. Dies hätten umfangreiche Tests ergeben.

Bundeswehrsoldat mit dem Gewehr G36 von Heckler & Koch (Archivbild)

In einem als ungewöhnlich empfundenen Schritt hatte Konkurrent Heckler & Koch im vergangenen Jahr – mitten im laufenden Vergabeprozess – das Verteidigungsministerium kritisiert und in einem Schreiben an die damalige Ressortchefin Ursula von der Leyen bemängelt, es gebe keine faire und sachkundige Auswahl für das Nachfolgemodell des Sturmgewehrs G36. Das kam von dem Waffenhersteller im Neckartal, der bereits 1959 seine ersten Sturmgewehre an die Bundeswehr geliefert hatte. Von 2012 an war ein öffentlich geführter Streit entbrannt über Probleme mit der Treffgenauigkeit unter Extrembedingungen. 2015 verkündete von der Leyen, „dass das G36, so, wie es heute konstruiert ist, keine Zukunft in der Bundeswehr hat“.

Hohe Verschuldung

Für Heckler & Koch ist das Ergebnis des Bieterwettbewerbs ein herber Rückschlag. Das Unternehmen ist hoch verschuldet – seine Finanzverpflichtungen von 249 Millionen Euro sind in etwa so hoch wie der Jahresumsatz (2019: 239 Millionen Euro). Nach zwei Verlustjahren wirtschaftete der Hersteller zuletzt zwar…