Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow hat das Vorgehen der Treuhandanstalt in der ehemaligen DDR scharf kritisiert. „Die Treuhand war das universelle Thema nach der Wiedervereinigung. Doch sie agierte nicht differenziert. Selbst, wenn man mit der Treuhand reden wollte. Ich habe das oft getan“, sagte der Linkenpolitiker beim SPIEGEL-live-Gespräch in Dresden.

Die Veranstaltung fand zum ersten Mal seit Monaten vor Publikum statt. Im kleinen Haus des Dresdner Staatsschauspiels kamen etwa 80 Gäste zusammen. Die SPIEGEL-Redakteure Susanne Beyer und Andreas Wassermann moderierten das Gespräch zum Thema: „Wir nach der Treuhand“.

Die Treuhandanstalt sollte Anfang der Neunzigerjahre sogenannte volkseigene Betriebe der DDR privatisieren. Damit verbunden waren viele Kündigungen und Brüche in Erwerbsbiografien von ehemaligen DDR-Bewohnern.

In dem SPIEGEL-live-Gespräch sprach Ramelow auch über seine Rolle als westdeutscher Gewerkschafter und Politiker in Ostdeutschland sowie seine Halbgeschwister in der DDR. Der Ministerpräsident plädierte dafür, den gesamtdeutschen Blick auf Errungenschaften aus der DDR zu richten, etwa Polikliniken, Kinderbetreuung oder langes, gemeinsames Lernen in der Schule.

„Wo hat Ikea die ganze Ware herbekommen, wenn alles Schrott ist?“

Über Produkte, die in der DDR gefertigt wurden, sagte Ramelow: „Ich kenne immer nur die Betrachtung aus dem Westen, die sagt: alles Schrott. Da frage ich mich immer, wo hat Ikea die ganze Ware herbekommen, wenn alles Schrott ist? Die DDR war immer Billigproduktionsland für den Westen. Ich dachte, das wäre eine große Chance für die Betriebe, sich neue Märkte zu erobern.“

Ramelow empörte sich darüber, wie die AfD in Thüringen die gebrochenen Biografien und die Unzufriedenheit der Menschen nutze.“Für mich ist es bitter, wenn Björn Höcke an das Gefühl der Benachteiligung anknüpft“, sagte der Ministerpräsident. „Ich will mir nicht vorstellen, wie das aussieht, wenn Höcke die Wende beendet, wie er es auf den…