Beim Festakt zum 70-jährigen Bestehen des Zentralrats der Juden hat sich Angela Merkel besorgt über ein Erstarken des Antisemitismus in Deutschland geäußert. „Es ist eine Schande und beschämt mich zutiefst, wie sich Rassismus und Antisemitismus in unserem Land in diesen Zeiten äußern“, sagte die Bundeskanzlerin in Berlin.

„Rassismus und Antisemitismus waren nie verschwunden – doch seit geraumer Zeit treten sie sichtbarer und enthemmter auf“, sagte Merkel bei dem Festakt in Berlins Neuer Synagoge. Sie verwies auf „Beleidigungen, Drohungen oder Verschwörungstheorien“, die sich offen gegen jüdische Bürgerinnen und Bürger richteten. „In den sozialen Medien triefen viele Äußerungen geradezu vor Hass und Hetze“, sagte sie – und mahnte: „Dazu dürfen wir niemals schweigen.“

Merkel würdigte den Zentralrat als „bedeutende Stimme in unserem Land“. Bei seiner Gründung vor 70 Jahren wäre es „völlig abwegig“ erschienen, „darauf zu hoffen, dass Juden in Deutschland einen Neuanfang wagen“. Sie sei „dankbar“, dass es wieder jüdisches Leben in Deutschland gebe. Der Zentralrat habe sich „um unser Land verdient gemacht“.

Schuster: Ein Unbehagen hat sich eingeschlichen

Zentralratspräsident Josef Schuster äußerte ähnliche Sorgen: Er sprach davon, dass sich in die jüdische Gemeinschaft „ein Unbehagen eingeschlichen“ habe. Schuster sprach von dem „riesigen Vertrauensvorschuss“, den es für Juden bedeutet habe, nach dem Holocaust in Deutschland zu bleiben oder sich dort anzusiedeln. „Das Vertrauen, das Juden in Deutschland gesetzt haben, wurde im Laufe der Jahrzehnte und auch heute immer wieder auch tief erschüttert“, sagte er mit Verweis auf antisemitische Angriffe.

Trotz antisemitischer Gewalttaten wie dem Anschlag in Halle sei die jüdische Gemeinschaft „erneut bereit, Deutschland, unserem Zuhause, einen Vertrauensvorschuss zu geben“, der hoffentlich nicht enttäuscht werde, betonte Schuster.

105 jüdische Gemeinden in Deutschland mit rund 100.000 Mitgliedern

Schuster…