Schwedische Chemiewaffenexperten sind sich sicher, dass der Kremlkritiker Alexej Nawalny mit Nowitschok vergiftet wurde. „Wir können eindeutig bestätigen, dass die Probe von Herrn Nawalny ein Nervengift der Nowitschok-Gruppe enthielt“, sagte Åsa Scott vom schwedischen Verteidigungsforschungsinstitut FOI dem SPIEGEL.

Deutschland hatte der Einrichtung im nordschwedischen Umeå eine Blutprobe Nawalnys übermittelt, nachdem zuvor ein Bundeswehrlabor das Gift im Körper des russischen Oppositionspolitikers nachgewiesen hatte. Auch ein französisches Institut hat nach Angaben der Bundesregierung das Ergebnis bestätigt.

„Nervengifte der Nowitschok-Gruppe sind extrem giftig“, sagte Scott, die am FOI die Abteilung für chemische, biologische und radioaktive Stoffe leitet, dem SPIEGEL. „Ein Tropfen kann töten.“ Genauere Angaben zur bei Nawalny nachgewiesenen Nowitschok-Variante machte die Wissenschaftlerin nicht.

Das Forschungsinstitut FOI ist dem schwedischen Verteidigungsministerium unterstellt. Experten der Einrichtung waren 2013 an einer Uno-Untersuchung zum Giftgaseinsatz im syrischen Ghuta beteiligt, einem Vorort von Damaskus, und konnten nach eigenen Angaben bestätigen, dass bei dem Angriff Sarin zum Einsatz kam.

Der russische Oppositionspolitiker Nawalny war während einer Wahlkampftour in Sibirien vergiftet worden. Er brach am 20. August auf einem Inlandsflug zusammen, kam zunächst in Russland ins Krankenhaus und wurde dann zur weiteren Behandlung nach Berlin in die Charité verlegt.

Nawalnys Vergiftung führte zu schweren diplomatischen Spannungen zwischen Berlin und Moskau. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) sprach von einem „versuchten Giftmord“ und forderte Russland zur Klärung auf.

Zuletzt hatte sich Nawalnys Zustand deutlich verbessert. Am Dienstag meldete er sich mit einem Foto aus dem Krankenbett zurück, das er auf Instagram postete. Dazu schrieb der Kremlkritiker: „Hallo, hier ist Nawalny. Ich habe Euch vermisst.“

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