Die Prognosen für die deutsche Wirtschaft sind so pessimistisch wie seit Jahren nicht mehr. Aber in anderen Ländern Europas wecken sie Neid.

Um 5,8 Prozent werde das Bruttoinlandsprodukt 2020 schrumpfen, sagt Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier voraus. Nur um 5,8 Prozent. Für die anderen großen Volkswirtschaften auf dem Kontinent sieht es viel düsterer aus: Spanien, Italien, Großbritannien und wohl auch Frankreich müssen sich auf ein zweistelliges Minus gefasst machen.

„Die Wirtschaftsentwicklung in Europas großen Staaten ist extrem heterogen“, sagt Gabriel Felbermayr, der Präsident des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW). Deutschland kommt bislang besser durch die Pandemie als die anderen: gesundheitlich und auch wirtschaftlich. Das war schon im Frühjahr so, als die erste Corona-Welle durch Europa jagte. Im zweiten Quartal – dem schlimmsten für die globale Wirtschaft seit dem Zweiten Weltkrieg – war der Einbruch hierzulande nur etwa halb so tief wie etwa in Spanien oder Großbritannien.

Und während diese Staaten noch heftig mit den Folgen des Corona-Crashs kämpfen, hat sich hierzulande die Konjunktur schneller erholt als erwartet. Die Stimmung hellt sich auf: bei den Unternehmen und führenden Ökonomen des Landes.

„Die anhaltend gute Binnennachfrage in Deutschland hilft der Wirtschaft sehr“, erklärt Felbermayr. Und der Chef des Münchner Ifo-Instituts Clemens Fuest: „Deutschland steht unter den großen Volkswirtschaften mit am besten da.“

Wieso läuft es bei uns so viel besser als anderswo?

1. Deutschlands Wirtschaft war vor Corona gesünder

„Diese Krise ist auf Volkswirtschaften getroffen, die ganz unterschiedlich stabil waren“, sagt Felbermayr. Italien litt unter einer jahrzehntelangen Stagnation, Spanien unter den Nachwirkungen der Eurokrise, Großbritannien unter der Brexit-Ungewissheit, Frankreich unter einem Dauer-Reformstau.

Die deutsche Wirtschaft hatte kein derart gravierendes Strukturproblem. In fast zehn Jahren Boom konnten viele Unternehmen…