Um die historische Niederlage geht es erst ganz am Ende. Denn als die SPD-Vorsitzenden am Montag mit Kanzlerkandidat Olaf Scholz aus dem Willy-Brandt-Haus und vor die Kameras treten, geht es zunächst um Flüchtlinge, um die Forderungen an den Koalitionspartner.

Norbert Walter-Borjans ist es schließlich, der dann doch ein paar Worte sagt zum schlechtesten Ergebnis der SPD bei einer Kommunalwahl in Nordrhein-Westfalen.

Und was sagt Walter-Borjans? Die SPD sei klar zweitstärkste Kraft geworden und habe die Talsohle der Europawahl 2019 durchschritten. Die hohen Verluste (minus 7 Prozentpunkte)? Das schwache Abschneiden in zahlreichen Städten und Gemeinden? Der SPD-Vorsitzende redet die Lage nichtsdestotrotz schön.

Klar ist: Die Wahl in NRW war ein Stimmungstest für die Vorsitzenden – und für Scholz. Dieser Test ging daneben. Die SPD hat die x-te Wahl verloren, nun mal wieder in ihrem Stammland.

Scholz will Entscheidung bis Mittwoch

Umso schneller wollen die Genossen das Thema an diesem Tag abhaken – obwohl in zwei Wochen noch 26 Stichwahlen in NRW stattfinden. Für drängender hält die SPD an diesem Tag die Lage der Flüchtlinge aus dem abgebrannten Lager Moria. Die Sozialdemokraten wollen deutlich mehr Menschen von der griechischen Insel Lesbos aufnehmen als jene 150 Minderjährigen, deren Kommen Innenminister Horst Seehofer (CSU) am Freitag angekündigt hatte.

Das sei „völlig ungenügend“, heißt es in einer Resolution des SPD-Parteivorstands: Seehofers Erklärung könne „nur ein erster, kleiner Schritt sein“. Länder und Kommunen wollten deutlich mehr Flüchtlinge aufnehmen, so die SPD. Diese Bereitschaft müsse Seehofer „endlich konstruktiv aufgreifen“.

Die Sozialdemokraten sind bei diesem Thema so einig wie selten. Im Parteivorstand gab es laut Teilnehmern lediglich einzelne, die warnten, man dürfe jetzt nicht naiv sein. Die meisten jedoch forderten, Deutschland müsse mehr tun. Sprich: mehr Flüchtlinge aufnehmen.

Innerhalb von 48 Stunden soll es eine Verständigung…