Kommunalwahlen haben aus Sicht von Landes- und Bundespolitikern einen entscheidenden Vorteil: Erfolge der eigenen Partei lassen sich als positiver Trend verkaufen, Misserfolge mit besonderen lokalen Bedingungen wegerklären. Wenn am Sonntag in Nordrhein-Westfalen Bürgermeister und Landräte, Stadtverordnete und Kreistagsmitglieder gewählt werden, wird man das einmal mehr bewundern dürfen.

Denn es geht um etwas, nicht nur an Rhein und Ruhr, sondern weit darüber hinaus.

Mit besonderer Spannung wird das Abschneiden der CDU erwartet: NRW ist schließlich das Heimatland des potenziellen CDU-Vorsitzenden und Unionskanzlerkandidaten Armin Laschet. Er selbst steht zwar auf keinem Wahlzettel, trotzdem ist dieser Sonntag natürlich auch ein Test für die Siegerqualitäten des Ministerpräsidenten. Läuft es gut, kann ihn das im Rennen um höhere Ämter beflügeln. Ein schlechtes Ergebnis könnte dabei dagegen zur Hypothek werden.

In Laschets Heimatstadt Aachen jedenfalls liegen Umfragen zufolge die Grünen vorne – sowohl bei der OB-Wahl als auch bei der Zusammensetzung des nächsten Stadtrats. Die Grünen und ihre Kandidaten könnten auch in etlichen weiteren Städten profitieren. Die Partei ist derzeit landesweit im Stimmungshoch, die jüngste Infratest-Sonntagsfrage für den WDR Ende August sah sie mit 22 Prozent knapp vor der SPD auf Platz zwei. Ein Ergebnis, das auch die Bundespartei glücklich machen würde.

Verfassungsgericht erzwingt Stichwahlen

Für die SPD ist jede Wahl in Nordrhein-Westfalen eine Prestigefrage, schließlich wird für das Land an Rhein und Ruhr noch immer der Begriff der „Herzkammer der Sozialdemokratie“ strapaziert. Dass daraus kein Fall für den Kardiologen wird, darum bemühte sich unter anderem der frühere Landesfinanzminister Norbert Walter-Borjans als aktueller SPD-Vorsitzender (wie er in den Wahlkampf eingegriffen hat, können Sie hier nachlesen). Doch es sieht nicht gut aus: Landesweit können die Genossen mit kaum mehr als 20 Prozent rechnen. Die…