Nach 38 Tagen auf einem Frachtschiff im Mittelmeer sind 27 Bootsmigranten in Italien an Land gebracht worden. Die Menschen gingen am Samstagabend im sizilianischen Pozzallo von Bord der „Mare Jonio“, wie die italienische Hilfsorganisation Mediterranea Saving Humans mitteilte, die das Schiff betreibt. Sie hatte die Menschen am Freitag vom dänischen Tanker „Maersk Etienne“ aufgenommen. Dort saßen die Migranten seit Anfang August fest.

Damit ende die „längste und beschämendste Zeit“, die Migranten auf See hätten ausharren müssen, hieß es von der Hilfsorganisation. Die Menschen seien psychisch und physisch in sehr schlechtem Zustand und bräuchten dringend ärztliche Behandlung. Unter ihnen sollen auch ein Kind und eine Schwangere sein. Die Besatzung des Tankers sowie mehrere Organisationen hatten immer wieder um Hilfe gebeten. Lebensmittel und Trinkwasser an Bord drohten knapp zu werden.

Bei der Reederei Maersk Tankers machte man sich „zunehmend Sorgen um die körperliche und geistige Gesundheit der geretteten Personen“. Am vergangenen Sonntag waren drei Migranten in ihrer Verzweiflung von Bord gesprungen, konnten jedoch von der Crew gerettet werden.

Das Frachtschiff hatte die Menschen am 4. August auf Bitten Maltas aufgenommen, nachdem sie auf dem Weg von Libyen in die EU in Seenot geraten waren. Später jedoch wies Maltas Regierungschef Robert Abela jede Verantwortung für die Geretteten zurück.

Sowohl Italien als auch Malta beklagen, dass sie mit den ankommenden Migranten von den EU-Partnern alleine gelassen würden. In Süditalien sind viele Auffanglager überfüllt. Rom setzt auch Quarantäne-Schiffe ein, denn die Migranten müssen wegen der Corona-Pandemie zwei Wochen in Isolation. Die Zahl der Menschen, die in Libyen und Tunesien ablegen und Italien ansteuern, war im Sommer sprunghaft angestiegen.

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