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Bis vor Kurzem schmückte das Gemälde des mexikanischen Revolutionärs Francisco I. Madero noch das Büro der Menschenrechtskommission in Mexiko-Stadt. Jetzt steht Madero auf der Straße und trägt Lippenstift und grünen Lidschatten. „ACAB“, Kurzform für: „All cops are bastards“, prangt auf seiner Stirn, seine Brust zieren rosa Blumen. Gemalt hat sie ein zehnjähriges Mädchen, das vor drei Jahren vergewaltigt wurde.

Dass Mexikos Präsident und der Künstler den Protestakt als „Vandalismus“ kritisieren, ärgert die Mutter: „Sie sollen meiner Tochter erklären, warum dieses Bild mehr Wert haben sollte als das Leben eines Mädchens, das sexuell missbraucht wurde“, sagt Erika Martínez.

Seit drei Jahren kämpft sie für Gerechtigkeit, der Fall wurde verschleppt, sie erhielt keine Antworten, keine Hilfe von Institutionen wie der Menschenrechtskommission. Der Täter vertrieb Mutter und Kind aus ihrer Wohnung, seitdem sind sie obdachlos – der Mann dagegen ist bis heute frei.

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Vandalismus oder kreativer Protest? Das Gemälde von Francisco I. Madero ist in Mexiko derzeit ein Politikum

Foto: Sashenka Gutierrez / EPA-EFE / Shutterstock

Ende vergangener Woche liefen Martínez und andere Betroffene zur Menschenrechtskommission, um Antworten zu erzwingen. Sie beschlossen, das Haus nicht mehr zu verlassen – später eilten Aktivistinnen zu Hilfe. Seit Tagen halten sie nun das Gebäude besetzt und haben es in eine Widerstandszentrale verwandelt.

Die Bürowände sind mit Parolen besprüht, Gemälde beschmierter Nationalhelden stehen auf der Straße, die Fassade ist mit Fotos von Verschwundenen plakatiert. Die Besetzerinnen prangern an, dass Opfer und ihre Angehörigen im Stich gelassen werden, während die…