Es ist ein heißer Spätsommertag in Wien und im Stamm-Kaffeehaus des österreichischen Vizekanzlers Werner Kogler sind die Zeitungen voll vom drohenden Koalitionskrach. Kogler, Parteichef der Grünen, gehe mit dem Koalitionspartner mittlerweile hart ins Gericht, steht da am Freitag im „Standard“ zu lesen.

Die restriktive Haltung der konservativen ÖVP unter Kanzler Sebastian Kurz hinsichtlich des abgebrannten griechischen Flüchtlingslagers Moria sei mit grünen Prinzipien schwer vereinbar: „Ich erwarte mir mehr europäischen Geist und mehr Menschlichkeit und weniger Zynismus“, so Kogler. „Österreichs internationales Ansehen war immer getragen von dieser Menschlichkeit und solidarischem Verhalten in Europa und der Welt.“

Im Regierungslager aber zeigt man sich wenig beeindruckt von der Drohung des Chef-Grünen, er werde weiter hart daran arbeiten, den „Koalitionspartner zu überzeugen“ – dass nämlich notleidende Flüchtlinge von der Insel Lesbos aufgenommen werden sollten.

Kogler sei ein „ausgewogener und fairer Partner“, mit dem sich gut auskommen lasse, heißt es im Kanzleramt. Man sieht dort keinerlei Veranlassung, von der bisherigen Position abzuweichen. Bei Bedarf an Decken und Zelten sei auf Österreich Verlass, ansonsten aber gelte: man habe bereits mehr Asylsuchende aufgenommen als – gemessen an der Bevölkerungszahl – zum Beispiel Deutschland.

„Moria, was für eine Schande“

Welchen Fliehkräften, welcher Zerreißprobe Vizekanzler Kogler in diesen Stunden ausgesetzt ist, das verdeutlichen die kritischen Stimmen aus dem grünen Lager, die von der Basis bis hinauf an die Spitze reichen:

Da wirft sich die grüne Fraktionschefin Sigrid Maurer am Donnerstagabend in Pose und verkündet, ihre Partei sei in der Flüchtlingsfrage „durchaus kampfbereit“ und sie selbst „erschrocken“ über die zynischen Argumente im Lager des Koalitionspartners ÖVP. Sagt es und räumt am Ende ein, dass jetzt, während des laufenden Wiener Landtagswahlkampfs, mit der Forderung nach weiteren…