Die Fraktionschefin der Grünen im Bundestag, Katrin Göring-Eckardt, ist auf die griechische Insel Lesbos gereist, um sich nach dem verheerenden Brand im Flüchtlingslager Moria ein Bild von den Zuständen zu machen. Wir erreichen sie am Telefon.

Foto: HC Plambeck/ laif

Katrin Göring-Eckardt, Jahrgang 1966, geboren im thüringischen Friedrichroda, führt gemeinsam mit Anton Hofreiter seit 2013 die Grünen-Bundestagsfraktion. Von 2005 bis 2013 war sie Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages.

Göring-Eckardt studierte in den Achtzigerjahren evangelische Theologie in Leipzig und ist seit 1998 Abgeordnete im Bundestag.

SPIEGEL: Wie ist die Lage im Moria vor Ort?  

Katrin Göring-Eckardt: Katastrophal. Die Menschen campieren auf der Straße. Kranke Leute, erschöpfte Leute. Oder junge Frauen, die kaum mehr ihre Kinder halten können. Für alle die dort ausharren müssen, ist die Situation eine extreme Belastung.  

SPIEGEL: Wie erleben Sie die Stimmung?  

Göring-Eckardt: Sie ist sehr angespannt. Es gibt nicht genug zu essen, nicht genug zu trinken. Es gibt keine Unterkünfte. Ich war in dem abgebrannten Lager. Die letzten Habseligkeiten der Menschen, die dort lebten, sind verbrannt. Ein paar Töpfe, ein bisschen Kinderspielzeug, ein altes Fahrrad. Die Menschen mussten ganz offensichtlich schnell weg. Sie haben jetzt nichts mehr, außer dem, was sie am Leib tragen.   

SPIEGEL: Gibt es bereits Hilfsstrukturen?   

„Hier sind 12.000 in Not, darunter 4000 Kinder und Jugendliche. Nicht nur die 400 unbegleiteten Minderjährige, die ohne Eltern hier waren.“

Göring-Eckardt: Bis jetzt ist die Hilfe nicht wirklich angekommen. Die Freiwilligen tun ihr Bestes. Wenn in Europa irgendeine Naturkatastrophe passiert wäre, dann wären schon am ersten Tag danach Strukturen aufgebaut gewesen, um Leute mit Zelten zu versorgen und mit Essen und Trinken. Auch mit Toiletten. Hier ist es nicht so. Es gibt hier Corona-Fälle, aber die Menschen können keinen Abstand…