Maskierte Uniformierte sind in der belarussischen Hauptstadt Minsk mit massiver Gewalt gegen friedlich demonstrierende Kritikerinnen des autoritären Staatschefs Alexander Lukaschenko vorgegangen. Bei den Protesten am Samstag, an denen sich Tausende Frauen beteiligten, gab es nach Angaben des Menschenrechtsrechtszentrums Wesna rund 70 Festnahmen.

Lukaschenko, der von Kritikern auch als „letzter Diktator Europas“ bezeichnet wird, hatte die Spitzenposten im Sicherheitsapparat zuletzt neu besetzt und gefordert, härter gegen nicht genehmigte Proteste vorzugehen. Bei den neuerlichen Protesten in Misk erlitt eine junge Frau durch Schläge eines Polizisten eine Platzwunde im Gesicht. Sie hatte dem Uniformierten die Strumpfmaske vom Gesicht gezogen, der Mann hatte daraufhin zugeschlagen.

Die Kundgebungen von Lukaschenkos Gegnern werden prinzipiell nicht genehmigt, nur die der Unterstützer, die sich in kleiner Zahl am Samstag im Zentrum an der Siegessäule versammelten. Zur gleichen Zeit kamen die Gegnerinnen Lukaschenkos am Platz der Freiheit zusammen. Die Kundgebung richtete sich vor allem gegen die Inhaftierung der Oppositionspolitikerin Maria Kolesnikowa. „Gebt uns unsere Mascha zurück“, skandierten die Frauen.

Frauen in Gefangenentransporter gebracht

Vermummte Sicherheitskräfte kesselten die Frauen am Platz der Freiheit ein und steckten einige in Gefangenentransporter. Die Frauen hatten sich einem Reporter der Nachrichtenagentur dpa, der vor Ort war, zufolge friedlich verhalten. Vielen Frauen gelang es, anschließend den Protestmarsch fortzusetzen. Der Demonstrationszug vereinigte sich später mit weiteren Frauen, bis die Menge auf Tausende anwuchs.

Bislang hielten sich die Sicherheitskräfte gegenüber Frauen weitgehend zurück und nahmen überwiegend Männer fest. Deshalb beteiligten sich viele Demonstrantinnen an den Aktionen. Die Samstage stehen traditionell im Zeichen der Frauenproteste. Zuletzt gerieten aber auch sie ins Visier der Beamten. Die Polizei hatte zuvor…