Seit Jahren grassiert die Afrikanische Schweinepest in Europa. Am gestrigen Donnerstag ist erstmals auch in Deutschland ein Wildschwein positiv auf das Virus getestet worden. Bauern- und Jagdverbände drängen seit Jahren auf ein vorsorgliches Abschießen. Denn durch die unkontrollierte Verbreitung der Schweinepest über Wildschweine fühlen Landwirte sich in ihrer Existenz bedroht. Wildexperte Sven Herzog aber warnt davor, dass die Wälder jetzt zum Schauplatz von massenhaften Treibjagden werden. Das schade dem Wald und stoppe das Virus nicht.

SPIEGEL: Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner hat nach dem Bekanntwerden des positiv getesteten Wildschweins von einer „verstärkten Bejagung“ gesprochen. Müssen wir die Wildschweine nun aus Sicherheitsgründen ausrotten?

Herzog: Ausrotten sicherlich nicht. Aber lokal kann es schon sein, dass wir stark in den Wildschweinbestand eingreifen müssen. Allerdings halte ich es für falsch, nun zum massiven Feldzug gegen Wildschweine anzutreten. Die Aufrufe von Bauernverbänden, nun vorsorglich 70 Prozent der deutschen Wildschweine abzuschießen, halte ich für Populismus. Das Virus wurde bisher vor allem durch den Menschen weiterverbreitet, nicht durch Tiere.

SPIEGEL: Welche Gefahr geht denn von den Tieren aus?

Herzog: Die Angst ist, dass Wildschweine die Hausschweine anstecken. Das ist erst mal unwahrscheinlich, weil beide Tierarten kaum Kontakt haben. Zumindest in Deutschland. Dort leben die meisten Hausschweine dicht gedrängt in riesigen abgeschotteten Ställen. In Polen gibt es hingegen noch viele Kleinbauern, die ihre Schweine auch auf dem Hof im Freien halten. Die Schweinemäster in Deutschland haben jetzt Angst, dass sie in einem Sperrgebiet liegen, wo ein infiziertes Wildschwein gefunden wurde. Dann kann es passieren, dass sie ihre Tiere vorsorglich töten müssen. Auch Tiertransporte sind dann in solchen Regionen verboten. Eine große Sorge sind auch die Folgen für die Exporte von Schweinefleisch.