92 von 152 SPD-Abgeordneten haben einen Brief unterzeichnet, der Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) auffordert, mehr Migranten aus dem abgebrannten griechischen Lager Moria aufzunehmen. Die bisherige Zusage Deutschlands zur Aufnahme von 150 Minderjährigen sei „der Lage nicht angemessen und beschämend“, heißt es in dem Brief, der dem SPIEGEL und der dpa vorliegt.

Länder haben deutlich mehr Hilfe angeboten als der Bund

Die Situation der Geflüchteten sei aus Sicht der SPD-Abgeordneten schon vor dem Brand „katastrophal“ gewesen. Nun handele es sich um „eine noch dramatischere humanitäre Katastrophe.“ Da die Länder schon vorab deutlich mehr Hilfe angeboten hätten als der Bund, plädiere man „nachdrücklich dafür, dass Deutschland umgehend in der Größenordnung Geflüchtete aufnimmt, wie bereits Zusagen aus den Ländern vorliegen“ heißt es in dem Brief weiter.

Rheinland-Pfalz hatte bereits 50 Plätze angeboten, Berlin 300. Thüringen hatte schon vor Monaten die Aufnahme von rund 500 Geflüchteten beschlossen, scheiterte aber am Widerstand des Bundes. Das Bundesinnenministerium müsste seine Zustimmung erteilen.

Die Unterzeichner begrüßten zwar die Entsendung des Technischen Hilfswerks und Zusagen für humanitäre Hilfe, warnten aber: „Der Aufbau von provisorischen Unterbringungen vor Ort, ohne die in Not lebenden Menschen aufs griechische Festland und in die EU zu evakuieren, birgt jedoch die große Gefahr, dass sich erneut prekäre Strukturen des Elends bilden.“

Moria war heillos überfüllt

Das Lager Moria war in der Nacht zum Mittwoch durch Brände fast vollständig zerstört worden. Die griechischen Behörden gehen davon aus, dass Migranten die Feuer legten. Statt der vorgesehenen knapp 3000 Migranten waren dort mehr als 12.000 Menschen untergebracht gewesen. Einige der Migranten sollen Feuer gelegt haben, nachdem für die Bewohner des Lagers wegen Corona-Infektionen Quarantäne verordnet worden war.

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