In Libyen ist der Konflikt um die Macht im Land längst zu einem internationalen Stellvertreterkrieg geworden. Trotz eines Waffenembargos der Uno gegen das Bürgerkriegsland erhalten die Kriegsparteien immer wieder militärisches Equipment aus dem Ausland. Die Marine hat nun einen Verstoß gegen das Embargo verhindert.

Im Rahmen der EU-Mission zur Kontrolle des Waffenembargos hat die deutsche Fregatte „Hamburg“ einen aus den Vereinigten Arabischen Emiraten kommenden Öltanker gestoppt. Dabei sei festgestellt worden, dass die „MV Royal Diamond 7“ Kerosin geladen hatte, das vermutlich für militärische Zwecke genutzt werden sollte. Dieser Treibstoff falle unter das Uno-Waffenembargo, teilte das Kommando der Marinemission „Irini“ am Donnerstag mit.

Das unter der Flagge der Marshallinseln fahrende Schiff wurde den Angaben zufolge 150 Kilometer nördlich der libyschen Stadt Derna in internationalen Gewässern aufgehalten. Bei dem Einsatz wurde das deutsche Marineschiff von der italienischen Fregatte „Margottini“ unterstützt. Infolge der Kontrolle untersagte der Befehlshaber der EU-Einsatzkräfte dem Tanker die Weiterfahrt in die libyschen Hoheitsgewässer. Es soll nun für weitere Untersuchungen in einen EU-Hafen umgeleitet werden.

Eigentlich hatte der Tanker nach Bengasi im Osten Libyens fahren wollen. Die Stadt ist die Hochburg des mächtigen Generals Khalifa Haftar, der die international anerkannte Einheitsregierung des Landes stürzen will.

Die Vereinigten Arabischen Emirate stehen im libyschen Bürgerkrieg auf der Seite Haftars. Auch Ägypten, Jordanien und Russland unterstützen den General. Die Regierungstruppen werden hingegen von der Türkei unterstützt. Im Libyen herrscht seit dem Sturz von Langzeitherrscher Muammar al-Gaddafi im Jahr 2011 Bürgerkrieg.

Alle Versuche, in dem Konflikt zu vermitteln, blieben bisher erfolglos – auch eine Libyen-Konferenz in Berlin im Januar.

Icon: Der Spiegel