Das Ärgernis beginnt für Lars Ostermeyer wenige Meter von seinem Haus entfernt. An seinem Garten sollen künftig Personenzüge vorbeirattern – ab 5.43 Uhr bis kurz vor 23 Uhr am Abend. Alle zehn Minuten. „Aus meiner Sicht ist das vollkommen irrational“, sagt der Familienvater.

2012 wusste Ostermeyer nicht, was ihm droht, als er das Haus in Münster-Angelmodde bezog. Nur ein Jahr später aber gab es die ersten konkreten Pläne für eine Wiederaufnahme der Bahnverbindung in das 21 Kilometer entfernte Sendenhorst. Bis 1975 fuhr hier die Westfälische Landeseisenbahn, von Münster bis nach Warstein im Sauerland. Dann wurde die Strecke dichtgemacht, weil die Förderungen ausblieben und sich der Betrieb nicht mehr lohnte.

Inzwischen aber gibt es bundesweit immer mehr solcher Reaktivierungsprojekte, in Ducherow bei Usedom wie in Gammertingen in Baden-Württemberg. Auf 4016 Schienenkilometern könnten künftig wieder Züge fahren. Das haben die Fahrgastverbände VDV und Allianz pro Schiene im Juli in einem gemeinsamen Papier vorgeschlagen, und 238 mögliche Reaktivierungen aufgelistet. Auch für die Verkehrsministerien gehört das zur Klimawende: Wenn die Menschen auf die Schiene umsteigen, dann spart das CO2 und schafft Platz in den Städten.

Lars Ostermeyer sieht das anders. Er fürchtet um seine Ruhe und davor, dass sein Haus an Wert verliert. Allein ist er mit seinen Sorgen nicht. Er hat eine Bürgerinitiative gegen das Projekt gestartet und nach eigenen Angaben 3500 Unterschriften gesammelt. „Wir sind offene Türen eingelaufen“, sagt Ostermeyer. Die anderen Anwohnenden hätten wie er Angst vor dem Lärm. Angst, dass die eigenen Grundstücke bald nahezu wertlos sein könnten.

Ostermeyer ist überzeugt, dass für die meisten Nachbarn die Nachteile überwiegen. 600 Immobilien lägen direkt an der Strecke, zählt er auf. Einige davon Mehrfamilienhäuser, also mehr als 5000 Menschen, kalkuliert er großzügig. Das vom Verkehrsverband NWL in Auftrag gegebene Gutachten rechnet für die…