Immer überfüllt, dreckig und durch die Corona-Pandemie unter einem Lockdown: Moria wurde oft als „Schande Europas“ bezeichnet. Nun, nach der Brandkatastrophe in dem griechischen Flüchtlingslager, sind viele Menschen ganz ohne Obdach.

Karawanen ziehen umher, kranke, ältere Menschen, auch schwangere Frauen sind unter ihnen zu finden. Sie tragen nur wenige Sachen mit sich, versuchen, in Sicherheit zu gelangen, den Hafen von Lesbos zu erreichen – und werden dort von der Bereitschaftspolizei mit Tränengas zurückgedrängt. Kinder weinen.

Für die Tageszeitung „Efsyn“ ist die Lage in und rund um Moria ein „Verbrechen“. Die griechischen Behörden beschuldigen die Flüchtlinge, absichtlich Feuer gelegt zu haben – aus Protest gegen die Covid-19-Isolationsmaßnahmen, die einen Ausbruch mit 35 bestätigten Fällen eindämmen sollten.

Schlechte Krisenkommunikation, Misstrauen gegenüber erkrankten Flüchtlingen, von denen einige wohl asymptomatische Krankheitsverläufe haben, und die Angst vieler Männer, Frauen und Kinder, sich anzustecken, hatten bereits in den Tagen vor dem verheerenden Brand zu Unruhen in Moria geführt.

Auch an diesem Donnerstagmorgen irren noch Hunderte Menschen auf den Feldern rund um Moria umher. Sicher fühlt sich von den Flüchtlingen keiner mehr. Auch die Einheimischen sind verängstigt. Sie fordern die Evakuierung aller Flüchtlinge, wollen am Donnerstagabend protestieren. Es haben sich bereits Bürgerwehren gebildet. Rechte nutzen die Lage aus.

Eine Evakuierung ist in den Augen der Regierung in Athen unmöglich. Auf dem Festland, sagt sie, gebe es keine Plätze für die Flüchtlinge. Zudem findet die Rückführung von Flüchtlingen in die Türkei praktisch nicht mehr statt. Die Europäische Union hilft zwar immer wieder mit Geld, mit Ad-hoc-Lösungen, eine gemeinsame Politik fehlt indes.

Um die größte Not zu lindern, will die griechische Regierung einige Flüchtlinge nun auf Marineschiffen unterbringen, andere in neuen Zeltstädten. Doch alle werden…