Zu Beginn seiner Präsidentschaft im Jahr 2017 sorgte Donald Trump regelmäßig mit seinen Tweets für Schlagzeilen. Er twitterte über „Hexenjagden“, „Fake News “ oder „dumme Geschäfte“. Die Presse reagierte nervös und kommentierte jede neue Nachricht des neuen US-Präsidenten, war sie auch noch so bizarr. Es herrschte Verunsicherung darüber, was diese Tweets zu bedeuten hatten. Das Netz debattierte einmal zum Beispiel über den Begriff „Covfefe“, der am Ende einer Nachricht von Trump auftauchte. Es handelte sich lediglich um einen Rechtschreibfehler, der sich aber schnell zu einem Internet-Meme entwickelte. Ebenso rätselhaft war ein Wrestlemania-Video, auf dem der Präsident auf ein CNN-Logo einschlug.

Der damalige Pressesekretär des Weißen Hauses, Sean Spicer, bestätigte damals, dass diese Tweets „als offizielle Erklärungen des Präsidenten der Vereinigten Staaten zu betrachten seien“, auch wenn sie nicht durch Pressemitteilungen des Weißen Hauses unterstützt würden. So etwas hatte es bis dato nicht gegeben.

Erster moderne Medienstar: Martin Luther

Durch die Nutzung von sozialen Medien fand Trump einen Weg, geltende Presseregeln außer Kraft zu setzen, indem er direkt mit seinen Wählern kommunizierte. Dieser Umgang sollte ihm das Image eines „modernen“ Präsidenten verpassen, nicht das eines staatstragenden.

Der Soziologe und Zukunftsforscher Harald Welzer, der die Ausstellung „Von Luther zu Twitter. Medien und Öffentlichkeit“ mitkuratierte, die am 10. September im Deutschen Historischen Museum in Berlin eröffnet, zieht Parallelen zwischen dem amtierenden US-Präsidenten und Martin Luther, dem Anführer der protestantischen Reformation im 16. Jahrhundert: Beide erkannten die Macht der medialen Verbreitung und nutzten dieses Wissen, um es politisch einzusetzen.

Mit unzähligen Porträts halfen Lucas Cranach der Ältere und andere Künstler halfen bei Luthers Markenbildung

Johannes Gutenberg erfand um 1450 die Druckpresse. Damit ließen sich Bücher…