Während rundum Literaturfestivals abgesagt oder verschoben werden, die Frankfurter Buchmesse ins Digitale verlagert wird, Lesungen und Diskussionen Gespräche und Verhandlungen am Messestand ersetzen müssen, hat das Internationale Literaturfestival Berlin (ILB)  ein sehr ansehnliches Programm mit Live-Auftritten von Schriftstellern  auf die Beine gestellt. Möglichkeiten zu Begegnungen und Diskussionen locken – doch die Freude wird schnell gedämpft angesichts der leeren Ränge im Kammermusiksaal der Berliner Philharmonie.

1180 Zuschauer hätten dort die Eröffnung des 20. ILB feiern können, gäbe es da nicht dieses Virus und die strengen Hygienevorschriften. Selbst Kulturstaatsministerin Monika Grütters, die das Festival seit seiner Gründung in der einen oder anderen Form begleitet, wirkte erschüttert beim Blick auf das weit verstreut sitzende, äußerst spärliche Publikum.

Mario Vargas Llosa: „Romane verweisen auf eine andere Realität“

Sie versprach, „sehr differenziert darüber nachzudenken, wie man mit pragmatischen Rezepten, das Bühnengeschehen wieder ins Laufen bekommt.“ Man müsse sehr restriktiv mit pauschalen Abstandsregeln umgehen und sich stattdessen die Mühe der möglicherweise komplizierten Einzelüberprüfungen machen. Die Wiederbelebung des kulturellen Lebens sei existenziell für die Demokratie, sagte Grütters in ihrer Begrüßungsrede und führte mit diesem zentralen und von ihr auch an anderer Stelle immer wieder betonten Gedanken gleich den Stargast des Abends ein.

Kulturstaatsministerin Monika Grütters mit Ehrengast Mario Vargas Llosa beim Internationalen Literaturfestival 2020

Denn auch Mario Vargas Llosa beschwor in seiner Festrede die Macht der Literatur. Von Festivalleiter Ulrich Schreiber allein wegen seiner Anreise in Pandemiezeiten mit Verweis auf den russischen Schriftsteller Michail Jurjewitsch Lermontow als „ein Held unserer Zeit“ angesprochen, sprach der 84-jährige Nobelpreisträger mit aller Emphase über das Potential von…