Der Journalist Bob Woodward ist in den USA eine lebende Legende. Er hat zusammen mit seinem Kollegen Carl Bernstein in den Siebzigerjahren den Watergate-Skandal aufgedeckt, US-Präsident Richard Nixon musste damals zurücktreten. Wie es aussieht, könnte Woodward nun einen Beitrag dazu leisten, die Karriere eines weiteren Präsidenten zu beenden.

Jedenfalls haben Woodwards neueste Enthüllungen über Präsident Donald Trump das Zeug dazu, dem Wahlkampf in den USA im Schlussspurt vor dem 3. November eine neue Dynamik zu verleihen. Der Journalist deckt – neben vielen anderen Dingen – vor allem auf, dass Trump frühzeitig über die tödliche Bedrohung durch das Coronavirus informiert war, die amerikanische Öffentlichkeit darüber aber bewusst im Unklaren ließ.

Bob Woodward hat in den vergangenen Monaten insgesamt 18 Mal mit Trump persönlich gesprochen, er hat andere Top-Quellen in der Regierung interviewt und alle seine Kenntnisse in einem Buch zusammengefasst, das in den nächsten Tagen unter dem Titel „Rage“ („Wut“) in den USA erscheinen soll. Erste Auszüge werden von der „Washington Post“ und anderen Medien seit Mittwoch häppchenweise veröffentlicht.

Trump erhoffte sich von den Interviews mit Woodward wohl, seine Sicht der Dinge erzählen zu können und so eine positive Darstellung seiner bisherigen Amtszeit zu erreichen. Herausgekommen ist dabei das Gegenteil. Woodward zieht ein bitteres Fazit seiner intensiven Recherchen: „Trump ist der falsche Mann für den Job.“

Schon jetzt löst das Buch in den USA Schockwellen aus. Trump war es in den vergangenen Wochen mit einigem Erfolg gelungen, das Augenmerk der Öffentlichkeit hin zu seinem Lieblingsthema „Recht und Ordnung“ zu lenken. Doch nun stehen wieder sein Covid-Krisenmanagement, sein Charakter und sein Politik-Stil insgesamt im Mittelpunkt der Debatte.

„Verrat an den Bürgern“

In den großen TV-Sendern melden sich die Angehörigen von Coronavirus-Opfern zu Wort, die verkünden, ihre Lieben könnten noch am…