Die Bundesregierung steckt nach der Vergiftung des russischen Oppositionellen Alexej Nawalny in einer Zwickmühle. Der Fall belastet das Verhältnis zu Russland schwer. Berlin sieht es als erwiesen an, dass Nawalny vorsätzlich mit einem Nervenkampfstoff der Nowitschok-Gruppe vergiftet wurde – eine direkte Täterschaft Russlands ist aber bisher nicht belegt.

Geht es um mögliche Konsequenzen aus dem Anschlag, steht das fast vollendete Pipelineprojekt Nord Stream 2 im Zentrum der Debatte. Die Leitung soll Erdgas aus Russland nach Deutschland bringen. Die Bundesregierung zögert noch, Nord Stream 2 offen infrage zu stellen, schließt aber auch nicht aus, das Projekt als Sanktionsmöglichkeit zu verwenden.

Rund 14 Prozent sind unentschieden

Die Mehrheit der Deutschen spricht sich gegen einen Baustopp als Reaktion auf den Fall Nawalny aus. Das geht aus einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Civey im Auftrag des SPIEGEL hervor. Demnach sind knapp 55 Prozent der Befragten der Meinung, dass die Bundesregierung nicht in die Fertigstellung von Nord Stream 2 eingreifen sollte. Rund 35 Prozent antworteten auf die Frage nach einem Baustopp mit „Nein, auf keinen Fall“, 20 Prozent mit „Eher nein“.

Gut 31 Prozent der Befragten befürworten einen Baustopp, davon 17 Prozent „auf jeden Fall“. Unentschieden waren rund 14 Prozent. An der Onlineumfrage nahmen 5064 Personen teil, der Stichprobenfehler lag bei 2,5 Prozentpunkten.

Bei näherer Betrachtung der Daten zeigen sich teils starke Unterschiede zwischen den politischen Lagern. Während sich die Anhänger von CDU/CSU und SPD in ähnlicher Weise mehrheitlich gegen einen Baustopp aussprechen, sind potenzielle Grünenwähler als einzige Gruppe mehrheitlich dafür.

Unter FDP-Anhängern ist die Ablehnung eines Baustopps wiederum deutlicher, noch stärker fällt sie im Lager der Linken aus. Dort sind zwei Drittel gegen eine Unterbrechung bei Nord Stream 2, nur 21 Prozent sind dafür. AfD-Anhänger sind sogar zu 80 Prozent…