Jahrelange Diskussionen sind geführt worden, Gerichtsurteile gefällt – nun soll das Töten von männlichen Küken gesetzlich verboten werden. Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) stellte am Mittwoch einen entsprechenden Gesetzentwurf vor. Er sieht ein Verbot ab Ende nächsten Jahres vor. Klöckner sprach von einem „Meilenstein für den Tierschutz“.

Warum brauchte es ein Gesetz? Was sieht der Entwurf vor? Und welche Lösungen gibt es? Ein Überblick.

Das Problem

Für die Produktion von Eiern werden Hühner gezüchtet, die auf eine hohe Legeleistung getrimmt sind. Die männlichen Küken dieser Linien, die Brüder der Legehennen, sind für die Brütereien unnütz. Eier legen können sie nicht, Fleisch ansetzen auch nicht gut. Die streng betriebswirtschaftliche Perspektive: Ihre Aufzucht lohnt nicht. Also werden pro Jahr in Deutschland rund 44 Millionen männliche Küken getötet (mit Kohlendioxid erstickt oder auch geschreddert), bevor sie weitere Kosten verursachen.

Das Tierschutzgesetz verbietet es jedoch, einem Tier „ohne vernünftigen Grund“ Schmerz oder Leid zuzufügen. Das damals rot-grün regierte Nordrhein-Westfalen wollte deswegen 2013 das Kükentöten per Erlass verbieten. Zwei Brütereien klagten dagegen – und bekamen vorerst recht: Die Wirtschaftlichkeit der Betriebe sei ein „vernünftiger“ Grund für das Töten, so die Richter des Oberverwaltungsgerichts (OVG) in Münster.

Juristischer Sinneswandel

Das Bundesverwaltungsgericht hatte das OVG-Urteil vergangenes Jahr auf seine Richtigkeit hin zu prüfen und die Bundesrichter schoben dessen wirtschaftsaffiner Auslegung des Tierschutzes einen Riegel vor: Im Lichte des Staatsziels Tierschutz, das 2002 in das Grundgesetz aufgenommen wurde, beruhe das Kükentöten „nach heutigen Wertvorstellungen nicht mehr auf einem vernünftigen Grund“, heißt es in der Entscheidung. „Die Belange des Tierschutzes wiegen schwerer als das wirtschaftliche Interesse der Brutbetriebe.“

Eindeutiger geht es nicht. Die Tierschützer…