Die Oppositionspolitikerin war am Montag von maskierten Männern auf offener Straße in der belarussischen Hauptstadt verschleppt worden. Nach Behördenangaben wurde sie am Dienstag an der Grenze zur Ukraine festgesetzt.

Der Anwalt von Kolesnikowa berichtete nun, sie sei wegen des Vorwurfs der „versuchten Machtübernahme“ festgenommen worden. Dies sei Teil eines Strafverfahrens, meldete die russische Nachrichtenagentur RIA am Mittwoch unter Berufung auf den Anwalt.

Kolesnikowa ist eine der prominentesten Persönlichkeiten der Opposition in Belarus. Diese forderte nach der umstrittenen Präsidentenwahl Anfang August den Rücktritt des Diktators Alexander Lukaschenko und warf ihm Wahlbetrug vor.

Die belarussische Führung geht immer härter gegen Oppositionelle vor. Literaturnobelpreisträgerin Swetlana Alexijewitsch, eine Verbündete Kolesnikowas, warf den Behörden vor, das eigene Volk zu terrorisieren. 

Bundesregierung fordert von Lukaschenko Verhandlungen mit Opposition

Die Bundesregierung forderte Lukaschenko mit scharfen Worten zu Verhandlungen mit der Opposition auf. „Anstatt die Repression zu verstärken und damit weitere Teile der Bevölkerung gegen sich aufzubringen, sollte er endlich in den Dialog mit dem Träger der Souveränität, dem belarussischen Volk, eintreten“, sagte die stellvertretende Regierungssprecherin Martina Fietz am Mittwoch in Berlin.

Zugleich forderte die Bundesregierung die belarussische Staatsführung auf, sich unverzüglich zum Verbleib Kolesnikowas zu äußern und rechtsstaatliche Verfahren zu beachten.

Die Bundesregierung sei erschüttert über Berichte, wonach Kolesnikowa verschleppt worden sei und zwangsweise außer Landes gebracht werden sollte, sagte Fietz.

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