Zypern will in Koordination mit dem Libanon verhindern, dass Flüchtlinge die Mittelmeerinsel weiter ansteuern. Vertreter der zyprischen Behörden würden zu diesem Zweck in den Libanon reisen, kündigte Innenminister Nicos Nouris an. Bei den Konsultationen werde es um den „besten und effektivsten Weg“ gehen, die Flüchtlinge aufzuhalten.

In den vergangenen Tagen hatten mehrere Boote mit insgesamt mehr als 150 Flüchtlingen die zyprischen Gewässer erreicht. Viele von ihnen sind Syrer, ein Teil auch Libanesen. Einige der Flüchtlinge durften an Land gehen, andere wurden zurückgeschickt. Die zyprischen Behörden charterten ein Schiff, um eine Gruppe von Flüchtlingen in Begleitung zurück in den Libanon zu bringen.

Am Montag hielt das Innenministerium in Nikosia eine Notsitzung zum Umgang mit den Flüchtlingen ab. Zypern sei nicht länger in der Lage, weiter „wirtschaftliche Migranten“ aufzunehmen, sagte Nouris. Die Aufnahmeeinrichtungen seien voll.

Der EU-Mitgliedstaat Zypern beklagt sich bereits seit Längerem darüber, dass er durch die Flüchtlingsbewegungen im Mittelmeer besonders belastet sei. Die Zahl der erstmaligen Asylbewerber in dem Land ist nach Angaben der Regierung die höchste pro Kopf der Bevölkerung in der Europäischen Union. Zypern liegt nur 160 Kilometer von der libanesischen Küste entfernt. Die syrische Küste ist sogar noch näher.

Der Libanon hat allerdings bereits rund eine Million Flüchtlinge aus dem Bürgerkriegsland Syrien aufgenommen. Zugleich steckt das Land in einer schweren Wirtschaftskrise, die zuletzt durch die verheerenden Explosionen von Anfang August im Hafen der Hauptstadt Beirut mit mehr als 190 Toten weiter verschlimmert wurde.

Icon: Der Spiegel